Die Jagdlappen des Landgrafen Ludwig VIII von Hessen-Darmstadt

Landgraf Ludwig VIII von Hessen-Darmstadt (1691 – 1768), der sich öfters zur Jagd in Stockstadt am Rhein und auf dem Kühkopf aufhielt.

Der frühere Jagdberater des Kreises Groß-Gerau, Herr Ulrich Zacheiß, hatte dem Museum Stockstadt am Rhein zwei original Jagdlappen aus dem 18. Jahrhundert gestiftet. Herr Zacheiß übergab diese bereits 2014 an Museumsleiter Jörg Hartung. Die kostbaren Exponate werden seither im Verwalterhaus des Hofgutes aufbewahrt und sind dort in der Dauerausstellung zu besichtigen.

Die handtuchgroßen Leinenlappen stammen aus dem Besitz des Landgrafen Ludwig VIII von Hessen-Darmstadt, der sich ja bekanntlich öfters zur Jagd in Stockstadt am Rhein und auf dem Kühkopf aufhielt. Die beiden Herrensteine erinnern uns bis heute an seinen Besuch im März 1740, in dessen Verlauf er mit seinem Gefolge über den zugefrorenen Rhein schritt.

Die beiden Jagdlappen, die seit 2014 im Stockstädter Museum aufbewahrt werden.

Die mit Schablonen auf die Lappen aufgetragenen roten und schwarzen Ölfarben zeigen die Initialen unseres früheren Landesherren LLZH (Ludwig Landgraf zu Hessen) und mit 1737 das Jahr der Anfertigung. Außerdem erkennt man den Hessischen Löwen, das Wappentier des Fürstenhauses Hessen-Darmstadt. Die andere Seite ist mit dem Kopf eines Türken bedruckt, der wohl als Schreckenssymbol an die Zeit der türkischen Belagerung von Wien 1683 erinnern sollte. Jagdlappen wurden für eine Jagdtechnik benutzt, die man an fast allen deutschen Fürstenhöfen mit besonderer Vorliebe pflegte. Aus der so genannten „Lappenjagd“ entstand das „Eingestellte Jagen“, das sich im Barock zu seiner Blüte entwickelte.

Das Recht zu jagen war ein Privileg der Herrschenden und die Ausübung der Jagd nicht nur ein beliebtes Vergnügen, sondern gleichzeitig ein Statussymbol. Die Vorbereitungen für das „Eingestellte Jagen“ waren sehr umfangreich und dauerten oft 4 bis 5 Wochen. Das Jagdgebiet wurde durch eine Vielzahl von Treibern umstellt und das Wild langsam von außen nach innen getrieben. Jeweils nach Erreichen bestimmter Linien, wie Schneisen oder Wege, wurden auf diesen lange Seile mit herabhängenden Jagdlappen angebracht. Sie sollten verhindern, dass das Wild durch die Treiberkette zurückflüchtete, also „durch die Lappen ging“. Über viele Tage hinweg wurde das Wild nun in einen mit Tüchern und Netzen umgebenen Platz getrieben und dort für den Jagdtag „eingestellt“. Am Jagdtag selbst wurde das Wild mit Hunden in eine eigens errichtete Arena gejagt, in der der Landgraf das Wild dann erlegte. Prunkvolle Festessen bildeten den unerlässlichen Abschluss dieses Schauspiels. Das „Eingestellte Jagen“ wurde nach dem I. Weltkrieg in Deutschland verboten.


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