Aus dem Stockstädter Museum – Erinnerungen an die Stockstädter Badeanstalt von 1927

Die Deutsche Turngemeinde Stockstadt e. V. wagte sich in den 1920er Jahre an das Vorhaben eine Badeanstalt im Stockstädter Altrhein zu errichten. Nach zahlreichen Verhandlungen konnte das Projekt zur Baureife gebracht werden. Die Arbeiten führten einheimische Unternehmen aus, die Einweihung fand  am 9.7.1927 statt. Das „schwimmende Schwimmbad“ lag ca. 50 m vor der Modau Mündung am Ufer vertäut – vor dem Parkplatz an der Altrheinbrücke – und war über einen Laufsteg zu erreichen. Auf 16 eisernen Schwimmkörpern ruhte der 26 m lange und 10,40 m breite hufeisenförmige Viereckbau aus Holz, der zur Stirnseite hin mit einem 4 m hohen Sonnendeckteil abgeschlossen war. In ihm waren Umkleidekabinen sowie 3 Räume für Bademeister- und Kasse untergebracht.

Aufnahme vom Inneren der Badeanstalt um 1930

Der Innenraum beherbergte das 120 qm große Badebassin mit einer Länge von 20 m und einer Breite von 6 m. Es war in 2 Längshälften aufgeteilt, einen 7 m langen Nichtschwimmer- und einen 13 m langen Schwimmerbereich. Um den Bassinrand verlief ein 52 m langer und 1,30 m breiter Badesteg, der zur einen Seite eine 20 m lange Sitzbank aufwies. Als Extras waren 2 separate Einzelbäder eingebaut. Das 3,10 m hoch liegende Sonnendeck diente als Liegeplatz, außerdem befand sich dort ein Sprungbrett zur Rheinseite hin.

Die Betriebsdauer der Badeanstalt war mit ca. 15 Jahren relativ kurz und die Einrichtung blieb ein Zuschussbetrieb. Das zu weiche Fichtenholz, aus dem sie gefertigt war, hielt dem schädigenden Einfluss des Wassers nicht stand. Instandhaltungsarbeiten mehrten sich und trieben die Nebenkosten in die Höhe. Die Einnahmen von rund 600 RM reichten nicht aus die jährlichen Kosten zu decken. Der Verein stellte daher 1935 den Antrag an die Gemeinde Stockstadt, die Badeanstalt samt Restschulden zu übernehmen. 1937 kam schließlich ein Vertrag zur Übernahme der Verpflichtungen auf die Gemeinde zustande.

In der Not der Nachkriegstage wurde die Badeanstalt geschlossen und verrottete. Man begann sie nach und nach abzutragen, bis der Rest der Anlage Anfang der 50er Jahre an die „Gipsmühle“ geschleppt und völlig demontiert wurde.

Im Museum der Gemeinde Stockstadt am Rhein, im Verwalterhaus des Hofgutes Guntershausen, wird ein von Jörg Hartung gefertigtes Modell als Erinnerung an die frühere Stockstädter Badeanstalt aufbewahrt.

Das Modell der Stockstädter Badeanstalt im Museum

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Aus dem Stockstädter Museum – Das alte Stockstädter Rathaus von 1537

Dass wir heute eine Vorstellung über das ursprüngliche Aussehen des historischen Stockstädter Rathauses von 1537 haben, verdanken wir dem früheren Pfarrer Heinrich Wagner, der bei Umbauarbeiten im Jahre 1910 ein Foto des alten Rathauses schoss, welches das Gebäude als Fachwerkbau erkennen lässt. Hierzu legte der Pfarrer folgende Notiz an: „Das Rathaus wird gesamt hergestellt. Unter dem abgeschlagenen Verputz zeigt sich schönes, aber schlecht erhaltenes Holzfachwerk. Der obere Stock erhält deshalb Schindelung, 1910.“

Den bei der Renovierung abgeschlagenen Putz erhielt das Rathaus vermutlich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Im Zuge der Arbeiten im Jahre 1910 wurden im Erdgeschoß auch die Haupteingangstür und der separate Eingang zur „Betzekammer“, dem früheren Ortsgefängnis, zugemauert. Im Inneren gestaltete man das Treppenhaus um und brach eine neue Haupteingangstür gegen die Vorderstraße heraus. Der große Raum im Obergeschoss, gegen die Kirchstraße zu, der als Schulsaal diente, blieb erhalten.

Die von Pfarrer Wagner angesprochene Schindelung behielt das Rathaus, das sich an der Ecke der Vorderstraße zur Kirchstraße befand, bis zu seinem Abbruch 1959. Bürgermeister Wilhelm Laut legte aus diesem Anlass eine Notiz an, welche die Motive erkennen lässt, die zum Abriss des Gebäudes führten: „Wegen Baufälligkeit und als großes Verkehrshindernis hat die Gemeindevertretung beschlossen, das alte Rathaus abbrechen zu lassen. Der Metzger und Gastwirt Ludwig Roth, mit seinem Schwiegersohn Georg Mölbert, haben das alte Rathaus zum Abbruch übertragen bekommen. Der frei werdende Platz muß wegen der besseren Übersicht erhalten bleiben. Einige Quadratmeter Bodenfläche, die abgegeben werden können, erhalten die Nachbarn Roth/Mölbert und der Schmiedemeister Hans Mölbert in der Kirchstraße. Das alte Rathaus wurde 1537 erstellt und am 10. Juni 1959 abgebrochen.“

Im Depot des Museums der Gemeinde Stockstadt am Rhein, auf dem Hofgut Guntershausen, werden drei von Jörg Hartung gefertigte Modelle des historischen Rathauses aufbewahrt, die das Gebäude in seinen verschiedenen Bauphasen darstellen.

Das Modell des 1537 erbauten früheren Stockstädter Rathauses zeigt das verschindelte Gebäude, wie es zum Zeitpunkt seines Abbruchs im Jahre 1959 aussah. (Foto: Museum)

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Aus dem Stockstädter Museum – Das Nobel-WC des Freiherrn von Heyl zu Herrnsheim

Im Stockstädter Museum, dem ehemaligen Verwalterhaus des Hofgutes Guntershausen, befindet sich in der Dauerausstellung zur Geschichte des Hofgutes eine in blauer Farbe mit Fasanen, Blumenranken und Blattwerk prunkvoll bemalte und glasierte Toilette. Das Nobel-WC gehörte einst dem Freiherrn von Heyl zu Herrnsheim und befand sich in dessen Herrenhaus auf dem Kühkopf. Kurz vor dem Abbruch des „Herrschaftshauses“, wie die Stockstädter dieses Gebäude nannten, im Jahre 1978, wurde die Toilette vom Sohn des früheren Gutsverwalters vor der Verschrottung gerettet. Im Jahre 2013 übergab dieser das besondere Exponat schließlich an den Förderverein Hofgut Guntershausen.

Es handelt sich bei dieser edlen Keramik um eine Toilette der Marke „Cauldon“ mit dem Modellnamen „The Neptun“, die in den 1890er Jahren in England in der Grafschaft Staffordshire und aller Wahrscheinlichkeit nach dort von der Firma „Brown-Westhead, Moore & Co“ produziert wurde, wie Museumsleiter Jörg Hartung herausfinden konnte.

Da der Freiherr von Heyl zu Herrnsheim zahlreiche hochgestellte Jagdgäste wie Zar Nikolaus II von Russland, Prinz Heinrich von Preußen, Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein, sowie König Wilhelm II von Württemberg in seinem Herrenhaus empfing, ist davon auszugehen, dass diese Toilette dort gelegentlich auch von diesen Herrschaften aufgesucht wurde.

Der Überlieferung nach befanden sich ursprünglich sogar zwei dieser Toiletten im Herrenhaus, wovon eine allerdings zu Bruch ging. Solange es im Haus noch kein fließendes Wasser gab, musste zur Spülung der Toiletten ein eigens im Dachgeschoss angebrachter Wassertank von den Bediensteten des Freiherrn mit Eimern aufgefüllt werden, um den hohen Jagdästen eine Wasserspülung zu ermöglichen.

Das Nobel-WC aus dem Herrenhaus des Hofgutes Guntershausen
Foto: Robert Heiler

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Aus dem Stockstädter Museum – Das Porträt des Großherzogs Ernst Ludwig

Im Stockstädter Museum, dem ehemaligen Verwalterhaus des Hofgutes Guntershausen, befindet sich in der Dauerausstellung zur Geschichte des Hofgutes eine Porträtaufnahme des letzten Hessischen Großherzogs Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein. Der Großherzog wurde am 25. November 1868 in Darmstadt geboren und starb am 9. Oktober 1937 in Schloss Wolfsgarten bei Langen, er regierte das Großherzogtum Hessen von 1892 bis 1918.

Signierte Porträtaufnahme von Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein aus dem Jahre 1906.

Die Porträtaufnahme im Stockstädter Museum ist zudem etwas Besonderes, wie Museumsleiter Jörg Hartung zu berichten weiß, da diese vom Großherzog im Jahre 1906 selbst signiert wurde. Gerahmt ist das 18 mal 23 cm große Bild mit einem schlichten Holzrahmen. Fotos wie dieses wurden von Ernst Ludwig zu besonderen Anlässen an verdiente und hochstehende Persönlichkeiten verschenkt.

In diesem Zusammenhang muss man wissen, dass der letzte Darmstädter Großherzog in den Jahren von 1900 bis 1913 jährlich zur Jagd nach Stockstadt am Rhein beziehungsweise auf den Kühkopf kam. Die zeitgenössische Presse nahm regen Anteil daran, wie es das nachstehende Beispiel der Darmstädter Zeitung vom 30. Oktober 1913 belegt:

„Große Jagd bei Stockstadt.

Heute, Donnerstag, findet auf dem bei Stockstadt am Rhein gelegenen Hofgut des Freiherrn von Heyl die diesjährige erste große Jagd statt. Als Schützen sind anwesend: der Großherzog von Hessen, Prinz Heinrich von Preußen, Fürst Leiningen, Fürst Birstein, Graf Wilhelm von Laubach, Graf Kuno zu Stolberg-Roßla, Graf Görtz, General von Heyl, Exzellenz von Eichhorn, Armeeinspekteur, Exzellenz von Hahn, Generaladjutant des Großherzogs von Hessen, der Adjutant des Prinzen Heinrich von Preußen, Exzellenz Freiherr von Heyl zu Herrnsheim, Baron Cornelius von Heyl zu Herrnsheim, Baron Ludwig von Heyl zu Herrnsheim.“

Der Ausgang des I. Weltkrieges und die damit verbundene Revolution im Jahre 1918 setzte der bisher in dieser Form auf dem Kühkopf betriebenen Jagd großen Stils ein jähes Ende.


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Aus dem Stockstädter Museum – Das Aquarell das Grafen Oberndorff

Aquarell des Hofgutes Guntershausen (damals Schmittshausen), das um 1840 entstand und vom Grafen Carl von Oberndorff gemalt wurde.

Im Museum der Gemeinde Stockstadt am Rhein im ehemaligen Verwalterhaus des Hofgutes Guntershausen befindet sich ein besonders interessantes Aquarell, das um 1840 entstand. Das Werk zeigt die wohl früheste bekannte Darstellung des heutigen Hofgutes Guntershausen, das damals noch „Schmittshausen“ genannt wurde. Der Maler des Bildes war kein geringerer als Graf Carl von Oberndorff. Die Grafen von Oberndorff waren in den Jahren von 1833 bis 1888 die Besitzer des Hofgutes auf dem Kühkopf, bevor sie es schließlich an den Wormser Reichstagsabgeordneten und Lederfabrikanten Cornelius Freiherr von Heyl zu Herrnsheim verkauften.

Das etwa 40 mal 50 cm große Aquarell stellt die Überfahrt einer Fähre über den Altrhein zum Kühkopf dar. Im Hintergrund sieht man ein am Ufer auf der Kühkopfseite liegendes Segelschiff, das Hofgut mit dem 1978 abgerissenen „Herrschaftshaus“ und weiteren Wirtschaftsgebäuden. Sehr gut zu erkennen ist links im Bild sogar noch der Vorgängerbau des um 1900 gebauten heutigen Forsthauses.

Vor über zehn Jahren diente dieses Aquarell sogar als Motiv für die 55 Cent Briefmarke des mittlerweile insolventen privaten Postanbieters „MaxiMail“, wie Museumsleiter Jörg Hartung weiß. Im Besitz des Stockstädter Museums befindet sich dieses außergewöhnliche Gemälde bereits seit 1988, als es der Gemeinde Stockstadt am Rhein von der Heidelberger Galerie Olaf Greiser zum Kauf angeboten wurde und der Gemeindevorstand den Ankauf einstimmig beschloss. Das originale Bild wird heute in einer Vitrine im Museum aufbewahrt und ist in der Dauerausstellung zur Geschichte des Hofgutes Guntershausen zu besichtigen.


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Aus dem Stockstädter Museum – Der „Krauth Schnellwechsler“ aus dem Stockstädter Freibad

In diesem Jahr bekam das Stockstädter Museum ein weiteres interessantes Exponat. Es handelt sich hierbei um einen sogenannten „Schnellwechsler Nr. D 10 511“, der bei der Firma Professor Alfred Krauth Apparatebau GmbH & CO.KG in Eberbach am Neckar hergestellt wurde. Das Gerät stammt aus den 1960er Jahren und fand früher im Stockstädter Freibad Verwendung. Dort wurde die elektrisch betriebene Maschine zur automatischen Sortierung des Münzgeldes eingesetzt, wo es allerdings spätestens seit der Umstellung von D-Mark auf Euro – zum 31. Dezember 2001 – nicht mehr verwendet werden konnte und seither in einem Regal aufbewahrt wurde.

Kürzlich übergab nun Herr Thomas Metzger vom Stockstädter Freibad den Schnellwechsler an Herrn Jörg Hartung vom Museum der Gemeinde Stockstadt am Rhein im Verwalterhaus des Hofgutes Guntershausen, wo das Gerät nun erst einmal im Depot aufbewahrt wird.

Die Herstellerfirma Professor Alfred Krauth Apparatebau GmbH & CO.KG ist seit über 90 Jahren mit der Geschichte des Öffentlichen Personen Nahverkehrs eng verknüpft. Mit einer genialen Erfindung, dem Galoppwechsler, gründete Herr Professor Alfred Krauth 1926 seine Firma in Düsseldorf mit dem Eintrag „Herstellung und Vertrieb von Geldwechslern“.

Schnell fanden Produkte der Firma Krauth eine weite Verbreitung. Nach dem II. Weltkrieg, im Jahre 1948, begann Professor Alfred Krauth in seinem Eberbacher Sommerhaus mit dem Wiederaufbau des Unternehmens. Das Unternehmen stellt bis heute Geräte wie Fahrscheinautomaten, elektronische Fahrscheindrucker, Einstiegskontrollsysteme und Mautautomaten her. Noch immer produziert die Firma – nun als „krauth technology GmbH“ – am Standort Eberbach, ist jetzt allerdings Bestandteil der DuTech Holdings Ltd. mit Sitz in Shanghai.

Auf die Anfrage von Museumsleiter Jörg Hartung, ob möglicherweise noch Unterlagen zum Verkauf des Schnellwechslers an die Gemeinde Stockstadt am Rhein aus den 1960er Jahren vorhanden seien, antwortete die Firma umgehend. Im Firmenarchiv waren hierzu aber leider keine Unterlagen mehr zu finden.


Der „Krauth Schnellwechsler“ aus dem Stockstädter Freibad wurde kürzlich an das Museum der Gemeinde Stockstadt am Rhein übergeben.

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Aus dem Stockstädter Museum – Die Miele Buttermaschine

Die Miele-Buttermaschine – ein Stück ländlicher Alltagskultur

Im Bestand des Stockstädter Museum im Verwalterhaus des Hofgutes Guntershausen befindet sich bereits seit 1993 eine „Miele Buttermaschine – Modell A1“, die kürzlich durch Museumsmitarbeiter Martin Rödl sorgfältig restauriert wurde. Miele ist ein Markenname, der Hausfrauenherzen höher schlagen lässt und damals wie heute ein Symbol für deutsche Haushaltsgeräte höchster Qualität ist.

Das Butterfass auf dem Kühkopf spiegelt ein Stück Kulturgeschichte der 1920er und 1930er Jahre wieder. In diesem Fall handelt es sich um ein besonderes Modell, denn die „Miele Buttermaschine ist die Beste“, wie der mit blauer Schrift bedruckte und mit Silberornamenten geschmückte Deckel des Fasses wirbt. Aus einem Materialmix gefertigt, war dieses Haushaltsgerät für die heimische Butterproduktion konzipiert. So ist der Deckel des Geräts aus leichtem Fichtenholz, während der Korpus des Fasses aus belastungsfähigeren Eichenhölzern zusammengesetzt wurde, die durch vier Eisenringe stabilisiert werden. Die Flügel im Inneren der Buttermaschine sind, vor allem aus hygienischen Gründen, in Buchenholz gefertigt. Die Oberflächenstruktur dieses heimischen Holzes gilt als besonders glatt und damit auch leicht zu reinigen. Die Butter wird durch die manuelle Betätigung eines metallenen Zahnradgetriebes mit zwei Rädern geschlagen. Am Boden des Fasses ist ein verkorkter Ablauf angebracht.

Früher wurde der Rahm, welcher sich bei der Lagerung nicht pasteurisierter Milch in natürlicher Weise bildet, abgeschöpft und in solchen oder ähnlichen Butterfässern von Hand gebuttert. Als Nebenprodukt der Butterherstellung entsteht die Buttermilch, daher der Ablauf am Boden des Fasses. Scheint die Eigenproduktion von Butter für uns Supermarktverwöhnte fremd, so spielte die Selbstversorgung noch in den 1920er Jahren eine wichtige Rolle.

Das handwerklich ausgeklügelte Exponat ist noch immer voll einsatzbereit, nach modernen Hygienevorschriften darf Butter allerdings nur noch aus pasteurisierter Milch hergestellt werden. Die Miele Buttermaschine ist heute nicht nur Museumsexponat, sondern auch ein echtes Sammelobjekt. So ist sie sowohl als Markenprodukt als auch aus dekorativen Gründen von Sammlern begehrt, wie Museumsleiter Jörg Hartung weiß.

Foto: Martin Rödl

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Aus dem Stockstädter Museum – Die Eismaschine

Im vergangenen Sommer haben sich sicher viele Menschen eine Eismaschine gewünscht, die im Handumdrehen leckeres Speiseeis zaubert. Bei der Eismaschine im Stockstädter Museum, die aus den 1930er Jahren stammt, wären sie vor dem Eisgenuss allerdings mächtig ins Schwitzen gekommen. Es braucht nämlich etliche Kurbelumdrehungen bis man mit einem Eis belohnt wird.

Heute gehört ein Kühlschrank zur Grundausstattung einer Wohnung. Die künstliche Kälte hat aber in vielen Regionen erst nach dem Zweiten Weltkrieg flächendeckend Einzug gehalten. Gewölbekeller und kühle Speisekammern sorgten vorher dafür, dass Lebensmittel auch im Sommer länger frisch blieben. Wenn dabei Eis zum Einsatz kam, handelte es sich um Natureis, das im Winter auf stehenden Gewässern geerntet und in Eiskellern aufbewahrt wurde. Dieses Eis kam in Stangen oder Blöcken in den Handel und war auch für unsere Eismaschine unentbehrlich, wie Museumsleiter Jörg Hartung weiß.

Maschine zur Herstellung von Speiseeis, um 1930. Foto: Martin Rödl

Die Eismaschine im Stockstädter Museum besteht aus einem Kübel aus Kiefernholz mit genuteten und gespundeten Dauben. Eine Büchse aus verzinntem Eisenblech mit einem Rührwerk sitzt in einigem Abstand in der Mitte auf einem Zapfen. In den Zwischenraum zwischen Kübel und Büchse füllte man abwechselnd kleingehacktes Eis und Viehsalz. Mit den Kurbelbewegungen drehen sich Büchse und Rührwerk über ein Kegelradgetriebe in entgegengesetzter Richtung. Eis und Salz lösen sich langsam auf und entziehen dabei dem Inhalt der Metallbüchse Wärme, so dass er gefriert. Dann kann die Büchse herausgenommen und der Inhalt gestürzt werden.

Auf der Maschine befindet sich der Herstellername „Alexanderwerk“. Namensgebend war Alexander von der Nahmer, der 1885 in Remscheid eine Eisengießerei gegründet hatte. Seit den 1930er Jahren kamen neben Küchengeräten auch Maschinen für die chemische und pharmazeutische Industrie hinzu. In diesem Bereich ist das Unternehmen bis heute tätig. Noch immer verbindet sich der Name „Alexanderwerk“ aber mit den unverwüstlichen Küchengeräten aus Omas Tagen.

Die alte Eismaschine befindet sich schon seit den 1980er Jahren im Stockstädter Museum und wurde kürzlich von Museumsmitarbeiter Martin Rödl restauriert.


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Aus dem Stockstädter Museum – Der Leiterwagen / „Bollerwagen“

Im Bestand des Stockstädter Museums im ehemaligen Verwalterhaus des Hofgutes Guntershausen befindet sich ein alter Leiterwagen, der wohl um 1930 gefertigt wurde und von sehr hoher handwerklicher Qualität ist. Dieses vollständig erhaltene hölzerne Wägelchen wurde kürzlich durch den Museumsmitarbeiter Martin Rödl sehr sorgfältig restauriert.

Scherzhaft nannte man diese Wägelchen auch „Bollerwagen“. Eine Bezeichnung, die wohl vom „bollernden“, polternden Geräusch stammt, das früher mit den Eisen bereiften Holzrädern eines solchen Gefährts auf dem Kopfsteinpflaster entstand.

Im kleinbäuerlichen Haushalt fanden Bollerwagen für jegliche Transporte und im Besonderen bei der Feldarbeit Verwendung. In der „schlechten Zeit“ ging man damit auch zum „stoppeln“. So nannte man es, wenn die ärmeren Leute die nach der Ernte übrig gebliebenen Feldfrüchte aufsammeln durften.

Leiterwagen sind auch auf vielen Fotos aus der Zeit von Flucht und Vertreibung nach dem II Weltkrieg zu sehen. Beladen mit allem, was die Menschen noch besaßen. In der nachfolgenden Zeit des Schwarzhandels und der lebensnotwendigen Hamsterfahrten war der Bollerwagen ein wichtiges Transportmittel.

Das Exemplar im Stockstädter Museum auf dem Kühkopf wird nun nach der Restaurierung von Museumsmitarbeiter Walter Mück nach den Richtlinien des Hessischen Museumsverbandes inventarisiert. Das heißt: genau vermessen, fotografiert, mit einer Inventarnummer versehen und in eine Datenbank eingegeben. Da die Ausstellungsfläche im Museum allerdings begrenzt ist, wird der Wagen zunächst im Depot untergebracht.

Foto: Martin Rödl

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Aus dem Stockstädter Museum – Der Löffel aus Trümmerresten des Zeppelins LZ 4

Ein gesonderter Raum im Stockstädter Museum zeigt eine von Jörg Hartung zusammengestellte Dauerausstellung, die sich mit der Zeppelinlandung auf dem Rhein beschäftigt. Dort wird ein Aluminiumlöffel gezeigt, hinter dem sich eine interessante Geschichte verbirgt.

Infolge eines Motorschadens musste das Luftschiff LZ 4 am 4. August 1908 auf dem Rhein bei Kornsand notlanden. Der Zeppelin war auf einer von großem Medienrummel begleiteten Erprobungsfahrt entlang des Rheins vom Bodensee nach Mainz unterwegs. Graf Zeppelin, ein damals bereits 70-jähriger Kavalleriegeneral, musste dem Reichskriegsministerium die militärische Einsatzfähigkeit des von ihm erfundenen Starrluftschiffes demonstrieren. Am Rheinufer festgemacht, unweit der Niersteiner Fähre, war der 136 Meter lange Koloss schnell von nahezu 10.000 Schaulustigen umringt. Nachdem der Motor schließlich repariert werden konnte, stieg das Luftschiff wieder auf, erreichte Mainz und machte sich auf den Rückweg an den Bodensee.

Nach einem weiteren Motorschaden musste der Zeppelin erneut, diesmal in Echterdingen, bei Stuttgart landen. Am Nachmittag des 5 August 1908 riss dann dort ein Windstoß das Schiff aus der unzureichend gemachten Verankerung. Nach einer Bodenberührung explodierte der mit fünfzehntausend Kubikmeter Wasserstoff gefüllte Zeppelin vor den Augen einer fassungslosen Menschenmenge. Für den Erbauer des Luftschiffs, Ferdinand Graf von Zeppelin (1838-1917), bedeutete das Unglück den finanziellen Ruin. Spontan wurde noch vor Ort zu Geldspenden aufgerufen, die dem Grafen helfen sollten ein neues Luftschiff zu bauen. Am Ende summierte sich die Volksspende für den Nationalen Luftschiffbau-Fond auf über 6 Millionen Mark. Und so kam es, dass Graf Zeppelin mit dem Verlust seines Luftschiffes zugleich aller finanziellen Sorgen enthoben wurde und weitere Luftschiffe konstruieren konnte.

Der aus den Trümmerresten des LZ 4 gegossene Aluminiumlöffel mit der dazugehörigen Urkunde.
Foto: Museum Stockstadt am Rhein

Aus den Überresten des zerstörten Schiffsrumpfes entstanden im Verlauf der Volksspendenaktion zahllose Zeppelindevotionalien, die die Spendenfreudigkeit der Bevölkerung nochmals befeuerten. Einige hiervon werden in der Dauerausstellung im Stockstädter Museum gezeigt. Insbesondere die Aluminiumreste des Zeppelingerippes wurden von der Firma Carl Berg in Lüdenscheid eingeschmolzen und zu Löffeln und Ziergegenständen verarbeitet.

Der Aluminiumlöffel im Stockstädter Museum hat eine Länge von 22 cm und ist 4,5 cm breit. Neben der Abbildung des Luftschiffs befinden sich noch folgende Prägungen auf dem Löffelstiel: „Graf Zeppelin zum Andenken an den 5. August 1908. Gegossen aus den Resten des Zeppelin-Luftschiffs.“

Außerdem wird noch die zum Löffel gehörige Urkunde der Firma Berg gezeigt, die seine Echtheit dokumentiert. Da diese Urkunden aus sehr dünnem Papier gefertigt wurden, sind diese heute extrem selten geworden, wie Museumsleiter Jörg Hartung berichtet.


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