Stockstadt: Schwedensäule im Miniaturformat enthüllt

Ried Echo vom 28.2.2019 – von Anke Mosch

Nicht aus Sandstein, sondern aus Balsaholz ist ein Modell der Schwedensäule, das Bernhard Hartung sorgsam im Maßstab 1:10 für den Förderverein des Hofgut Guntershausen gefertigt hat.

STOCKSTADT – Im Original ist die Schwedensäule zwölf Meter hoch, aus rotem Sandstein und sie steht am Altrheinufer. Der auf ihr thronende Löwe mit Krone und Helm schaut in Richtung Kühkopf. Dorthin, wo Schwedenkönig Gustav II. Adolf im Dreißigjährigen Krieg in einer taktischen Meisterleistung von Erfelden und Stockstadt aus seine Truppen hin übersetzen ließ und in der Folge erst Oppenheim und dann Mainz einnehmen konnte. Dieses Ereignis war dem Schwedenkönig so wichtig, dass er das Denkmal zur Erinnerung an den Rheinübergang errichten ließ.

Nicht aus Sandstein, sondern aus Balsaholz ist ein Modell der Schwedensäule, dass Bernhard Hartung sorgsam im Maßstab 1:10 für den Förderverein des Hofgut Guntershausen gefertigt hat und das am Dienstagabend feierlich vom Fördervereinsvorsitzendem Volker Blum dem Museum der Gemeinde Stockstadt im Verwalterhaus des Hofguts übergeben wurde.



Modellbauer Bernhard Hartung (rechts) und der Vorsitzende des Fördervereins Hofgut Guntershausen, Volker Blum, haben die kleine Schwedensäule am Dienstag vorgestellt.
Foto: Vollformat/Robert Heiler

In einem bebilderten Vortrag zeigte Hartung, wie er das Aufmaß genommen, eine Handskizze gefertigt und maßstabsgetreu das Modell des Denkmals aus quadratischem Sockel, darauf ruhenden vier Kugeln sowie dem im Original sieben Meter hohen Obelisk gebaut hat. Eine besondere Herausforderung war der Löwe auf der Spitze der Säule, Sinnbild des Schwedenkönigs, des „Löwen aus Mitternacht“, erzählte der Modellbauer. Zum Vergnügen der Zuhörer berichtete Hartung, dass er schließlich eine Herrgottschnitzerei in Oberammergau gefunden hatte, die gerne bereit war, den „Bayerischen Löwen Barock“ in einen schwedischen Löwen zu verwandeln: Statt herausgestreckter Zunge und Wappenschild hat der „Löwe aus Mitternacht“ nun originalgetreu Helm und Krone – nur das Schwert in der Pranke war beiden Tieren von vornherein gemeinsam.

Der ehemalige Leiter des Hessischen Staatsarchivs Darmstadt und Professor für Mittelalterliche und Neuere Geschichte, Friedrich Battenberg, schilderte die Geschehnisse während des Dreißigjährigen Krieges im Süden des Kreises Groß-Gerau. Dieses militärische Durchzugsgebiet wurde von Truppen des katholischen Kaisers wie des protestantischen Schweden gleichermaßen geplündert. Daran konnte auch die diplomatisch geschickte Neutralitätspolitik des Landgrafen Georg II. von Hessen-Darmstadt nichts ändern. Nach einem großen Sieg über die katholische Liga im September 1631 wollte Gustav Adolf die alte kurfürstliche Residenz Mainz einnehmen, die er zum neuen Zentrum eines protestantisch geprägten Reiches machen wollte, so Battenberg.

Da der Rheinübergang bei Kastel gesperrt war, musste der Schwedenkönig einen Umweg wählen und erst einmal die spanischen Truppen in Oppenheim ausschalten. Mit seinem Heer übernachtete Gustav Adolf in Langen und ließ das Gerücht ausstreuen, nach Heidelberg ziehen zu wollen – um dann völlig überraschend in der Nacht zum 7. Dezember (17. Dezember nach gregorianischem Kalender) von Stockstadt und Erfelden aus mit aneinandergehängten Booten und Scheunentoren den Rhein zu überqueren und die überrumpelten spanischen Truppen noch am selben Tag zu schlagen. Erwartet hatte den Rheinübergang an dieser Stelle auch deswegen niemand, weil das Land so unwirtlich war, wie Battenberg schilderte: Der Rhein war hier 300 Meter breit und mit Flussinseln durchsetzt, der Kühkopf zu dieser Zeit eine linksrheinisch weit in den Strom hineinragende Halbinsel und beide Uferseiten sumpfig.

Eine militärische Glanzleistung, die machtpolitisch größte Bedeutung hatte – wurde dadurch doch die Einnahme von Mainz ermöglicht. Kein Wunder also, dass der Schwedenkönig dieses Ereignis auf der Höhe seiner Macht mit einem Denkmal würdigen ließ. Kein Jahr später fiel Gustav Adolf in der Schlacht von Lützen.

WANN UND WO

Das Modell der Schwedensäule kann während der Öffnungszeiten des Museums im Verwalterhaus des Hofguts Guntershausen besichtigt werden: samstags, sonn- und feiertags von 13 bis 17 Uhr.

Der Vortrag Friedrich Battenbergs wie auch die Dokumentation des Modellbaus sind nachzulesen in der vom Förderverein Hofgut Guntershausen herausgegebenen Broschüre „Schwedensäule und Schwedenkirchhof – der Dreißigjährige Krieg im Süden des Kreises Groß-Gerau“.

Es kann auch auf dem Stand des Stockstädter Museums auf der Buchmesse im Ried am 9. und 10. März erworben werden. (anmo)