Englische Nobel-Toilette im Heimatmuseum

Ried Echo vom 05.06.2018

Von Benita Nold

STOCKSTADT – „Was macht denn die Toilette da?“, fragt sich womöglich der eine oder andere Besucher des Stockstädter Heimatmuseums. Inmitten von alten Werkzeugen, Kutschenteilen und einem Modell des früheren Herrenhauses des Guts steht sie auf einer Erhöhung aus Holz. Sie ist in blauer Farbe mit Fasanen, Blumenranken und Blattwerk prunkvoll bemalt und glasiert. Sie ist ein richtiges „Nobel-WC“.

Nach fast 40 Jahren kehrte der Toilettensitz 2014 auf den Kühkopf zurück. Die Nobel-Toilette gehörte Cornelius Wilhelm Freiherr von Heyl zu Herrnsheim und befand sich im ehemaligen Herrenhaus des Hofgutes Guntershausen. Kurz vor dem Abbruch des „Herrschaftshauses“ Ende der siebziger Jahre wurde die Toilette vom Sohn des früheren Gutsverwalters, Thomas Gaudchau, vor der Zerstörung gerettet und seither aufbewahrt. Er übergab die Rarität an den Förderverein Hofgut Guntershausen für das Museum im Hofgut.

Es handelt sich um eine Toilette der Marke „Cauldon“ mit dem Modellnamen „The Neptun“, die in den 1890er Jahren in England in der Grafschaft Staffordshire, vermutlich von der Firma „Brown-Westhead, Moore & Co“ produziert wurde. Der Überlieferung nach befanden sich ursprünglich zwei dieser Toiletten im Herrenhaus, wovon eine allerdings zu Bruch ging.

Solange es im Haus noch kein fließendes Wasser gab, musste zur Spülung der Toiletten ein eigens im Dachgeschoss angebrachter Wassertank von den Bediensteten des Freiherrn mit Eimern aufgefüllt werden. Da der Freiherr von Heyl zu Herrnsheim in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg regelmäßig zahlreiche hochrangige Jagdgäste wie Prinz Heinrich von Preußen, Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein sowie König Wilhelm II von Württemberg in seinem Herrenhaus empfing, ist davon auszugehen, dass diese Toilette dort gelegentlich auch von diesen Herrschaften aufgesucht wurde.

Zar Nikolaus II von Russland war ebenfalls Besucher des Freiherrn. Ihm wurde ebenfalls ein Exponat im Museum gewidmet. Eine Nachbildung des Klappstuhls des Zaren, auf dem er während der „Hubertus-Jagd“ am 3. November 1903 gesessen hatte, steht direkt neben dem Nobel-WC. Auf der Lehne ist zu lesen: „Auf diesem Stuhle saß Nikolaus II., Kaiser von Russland, auf der „Hubertus-Jagd“ im Jahre 1903 zu Guntershausen“. Wer damals die Beschriftung anbrachte, ist heute nicht mehr nachvollziehbar.

Klappstuhl für Zar Nikolaus

Um eine Nachahmung handelt es sich deshalb, weil der originale Klappstuhl im Besitz der in Guntersblum lebenden Nachkommen des früheren Oberförsters Alois Bauer ist, der den Stuhl nach der Jagd an sich nahm. Bauer wohnte im Forsthaus des Hofgutes Guntershausen auf dem Kühkopf und unterstützte den Freiherrn von Heyl zu Herrnsheim bei der Organisation und Durchführung der Jagd.

„Dem Tagebuch des Zaren ist zu entnehmen, dass er diesen Tag als sehr angenehm empfand, er fühlte sich auf dem Kühkopf sehr wohl“, ist auf einer der vielen erklärenden Tafeln zu lesen, die an den Wänden des Museums aufgehängt wurden. Ein Bild des Zaren, die auf seinen Besuch abgestimmte Tagesordnung sowie seine Jagdgesellschaft sind für einen anschaulichen Eindruck der Geschehnisse auf der Tafel platziert worden.


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Horst Eckert stellt auf dem Hofgut Guntershausen sein Buch „Der Preis des Todes“ vor

Ried Echo / Stockstadt 02.06.2018

Horst Eckert stellt auf dem Hofgut Guntershausen sein Buch „Der Preis des Todes“ vor

Von Anke Mosch

STOCKSTADT – Der Krimiautor Horst Eckert ist ein früherer Journalist, der eines nie wollte: einen Journalisten zur Hauptfigur seiner Romane zu machen. „Meine ausgedachten Kriminalfälle möchte ich von Leuten lösen lassen, die das auch im wirklichen Leben machen – das ist meinem Realitätssinn geschuldet“, sagte Eckert. Schließlich sei er in 15 Jahren Fernsehjournalismus auch nicht ständig über Leichen gestolpert und habe zwar schon mal über einen Mord berichtet, die Ermittlungsarbeit aber tunlichst Kriminalbeamten überlassen.

Hauptfigur gerät in einen Gewissenskonflikt

Eckert war am Mittwochabend in den ehemaligen Pferdestall des Hofguts Guntershausen gekommen, um in der Reihe der Kreisvolkshochschule „Krimispannung mit der VHS“ seinen im März erschienenen Politthriller „Der Preis des Todes“ vorzustellen. Noch vor Beginn der Lesung bekannte er, sich in seinem 15. Roman von seinem schriftstellerischen Dogma gelöst zu haben. Denn Hauptfigur ist die junge Journalistin Sarah Wolf, die erst seit kurzer Zeit die wichtigste Polit-Talkshow im Abendprogramm der ARD leitet. Ihr Leben mit dem Kampf um Karriere und Quoten wird noch dadurch verkompliziert, dass sie heimlich mit Christian Wagner liiert ist, Shootingstar der SPD und Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, dem eine große Karriere vorhergesagt wird. Wenn da nicht seine Beziehungen noch aus seiner Abgeordnetenzeit zu dem größten privaten Krankenhausbetreiber Samax wären. Als Samax den wichtigsten Konkurrenten aufkaufen will und ein befürwortendes Schreiben Wagners an den Wirtschaftsminister bekannt wird, gerät Sarah in einen Gewissenskonflikt.

In seiner Lesung quer durch das Buch bis gegen Ende des zweiten Drittels schilderte Eckert auch Sarahs Sendung zum Thema Lobbyismus, in deren Vorfeld sie sich schweren Herzens für einen Einspieler über ihren heimlichen Geliebten entschieden hat – um dann entgeistert während der Live-Show feststellen zu müssen, dass der entsprechende Beitrag um den Teil über Wagner gekürzt wurde. Als sie nach der Sendung in den Schneideraum stürmt, erfährt sie, dass der Staatssekretär kurz zuvor erhängt in seiner Berliner Wohnung gefunden worden war. Was Sarah – und die Zuhörer – schon geahnt hatten, wird schnell Gewissheit: Tatsächlich war es Mord, und die Journalistin beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln. Die Spuren führen ins größte Flüchtlingslager der Welt, nach Dadaab im Nordosten Kenias und zum dortigen Krankenhaus.

 

  • ERLÄUTERUNGEN

Horst Eckert unterbrach seine Lesung immer wieder für ergänzende Erklärungen. So erfuhren die Zuhörer, dass der Glauser-Preisträger nur ein weiteres schriftstellerisches Dogma hat: Seine Thriller sollen in der Großstadt angesiedelt sein, weil dort alle sozialen Milieus vertreten sind. Für Eckert, der seit über 30 Jahren in Düsseldorf lebt, ist es die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt. In „Der Preis des Todes“ wird auch dieses Prinzip zumindest aufgeweicht. Denn Düsseldorf wird hier zum Nebenschauplatz, in den üblen Machenschaften um Gesundheitspolitik treten Berlin und das gigantische Flüchtlingslager in der Halbwüste Kenias in den Mittelpunkt. (anmo)


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„Bees Denäwe“ pflegt das Ried-Heimatgefühl

Ried-Echo vom 7.5.2018

Von René Granacher

STOCKSTADT – Konzerte von „Bees Denäwe“ sind Abende, bei denen das Ried sich selbst feiert und viel Spaß dabei hat. Wobei „Konzerte“ die Sache kaum noch trifft, denn über die Jahre hat sich der Erzählanteil bei den Shows von Klaus Lohr und Franz Offenbecher immer mehr vergrößert: Wenn man nach drei Stunden Kurzweil geht, hat man erstaunlich wenige Lieder gehört.

Trockener Humor zu Musik vom Typ Country-Rock

Vielleicht trägt das ja noch dazu bei, dass der Hunger auf das Ried-Duo nie ganz gestillt wird und ihre Auftritte oft innerhalb von Stunden ausverkauft sind. So war es auch bei der Veranstaltung am Freitagabend, zu der die Kulturinitiative Stockstadt die beiden Musiker in den ehemaligen Pferdestall des Hofguts Guntershausen eingeladen hatte. Der rustikale Rahmen passte hervorragend zu den Sängern, deren Auftrittskleidung Stalljacke und Gummistiefel ist.
Unter den vielen gut erfundenen Anekdoten an diesem Abend war auch die von der älteren Zuhörerin, die um ein Stück „Heimatmusik“ bat – und auf nähere Nachfrage das Kufsteinlied als Beispiel nannte. „Gebirgsmusik!“, gab Lohr sich fassungslos, wo doch die höchste Erhebung in Stockstadt das Geländer der Altrheinbrücke sei. Dagegen setzt „Bees Denäwe“ also echte Ried-Heimatmusik wie „Mir sein aus‘m Ried“ als heimliche Hymne der Region, deren beinahe ekstatischen Refrain viele im Publikum schon mitsingen konnten.
Die weitere Mischung war so einzigartig, wie man sie nur von Lohr und Offenbecher kennt: Südhessische Mundart und trockener Humor zu Musik vom Typ Country-Rock – und von Klaus Lohr eine Röhre, mit der er auch Heavy Metal singen könnte. Da paart sich sein Erzähl- und Unterhaltungstalent, das er mit sympathischer Natürlichkeit und Selbstironie auf die Bühne bringt, mit einem professionellen Niveau der musikalischen Darbietung, das die beiden Ried-Barden hinter all den Pointen und Späßen geradezu verstecken.
So erzählt Lohr von Hessisch-Integrationskursen, die er für Syrer „und Leute aus’m Neubaugebiet“ gebe, damit die erstmal wichtige Wörter wie „Kroppedeckel“ lernen. Überhaupt, die Mundart: Deren Aussterben wollen die beiden zumindest verzögern mit Liedern über „Stoppeler, Kruscheler, Fuddler und Hockeler“, die zum besseren Verständnis mit vielen heiteren Erläuterungen begleitet wurden.
Zu hören waren Klassiker wie die „Bombelkapp“ oder das schönste Ried-Seemannslied „Ahoi, Ahoi“ (über die Fahrt nach Guntersblum), ebenso aber Neueres wie „Ei, gugge mol do“ (über die Konfrontation zwischen Riedbewohnern und Stadtvolk) oder „Liebe auf’m Land“. Hier gehörte als Anekdote dazu, wie man als Jüngling aus dem Ried einst in der Disco keine Chancen bei den Damen hatte. Immerhin: Die Jünglinge aus dem Odenwald durften in die Disco gar nicht erst rein.
Lohrs ausdrucksstarke und wandlungsfähige Stimme belebte auch hessisch-englische Mischungen wie „Sing with me the Äbbelwoi-Song“ oder das Werk über den Odenwälder Ur-Jodler, das den Dialekt des nahen Mittelgebirges sanft auf die Schippe nimmt. Mehr Gefühl als Spaß gab es ausnahmsweise bei „Ich geheer ins Ried“ – dem dafür eine ausführlich-humoristische Betrachtung vorangestellt wurde, welche Orte dem Ried eigentlich zuzurechnen seien. Am Schluss stand nach der Logik des Rückwärts-Konzerts das gemeinsame Einsingen: Dazu hielt das Duo den so sinnfreien wie witzigen Nonsens-Ohrwurm „Lalalaa“ bereit.

Ein Auftritt von „Bees Denäwe“ ist wohl die heiterste Art, sein Heimatgefühl zu pflegen. Für die passende Bewirtung mit Äbbelwoi und deftigen Speisen sorgte an diesem Abend der Förderverein des Hofguts Guntershausen.


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Vereine präsentieren sich beim Frühlingsfest auf dem Kühkopf

Von René Granacher

STOCKSTADT – Zwischen Bartgeiern und Nashornkäfern fanden sich die Gäste wieder, die am 1. Mai zum Frühlingsfest ins Hofgut Guntershausen kamen: Vereine und Verbände präsentierten sich im Hof des historischen Gebäudeensembles, und jeder zeigte spezielle Tierarten, denen seine Aufmerksamkeit gilt. Frösche, Dachse und sogar ein Tiger – die Zusammenstellung war so bunt wie das Fest, das von Besuchern geradezu überschwemmt wurde.

Kurz zuvor war das Wetter noch ungewiss, aber dann brachte der Tag einen Mix aus Sonne, Wolken und reichlich Wind: manchmal kühl, aber immer trocken. So strömten die Ausflügler in Scharen zum Kühkopf, und das von beiden Seiten. Denn nicht nur der Parkplatz an der Altrheinbrücke war gestopft voll, auch über den Rhein kamen die Menschen mit der Fähre zum Radeln und Feiern. Das Fahrrad war Verkehrsmittel der Wahl, und so wurde die Fläche gegenüber dem Hofgut zum Großraumparkplatz für Zweiräder.

 

  • WASSERMODELL

David Schmid, Praktikant im Umweltbildungszentrum, erklärte den tieferen Sinn des Wassermodells: Der Fluss sucht sich zwischen Felsen seinen kürzesten Weg und trägt Dämme aus Sand früher oder später ab.

Im begradigten Rhein mit seinen befestigten Ufern funktioniert diese natürliche Veränderung der Landschaft jedoch nicht mehr.

Zum gleichen Thema informierte das Bundesprogramm „Blaues Band Deutschland“, das am Kühkopf die Uferbefestigung teilweise zurückbauen lässt. (gra)

Großes Angebot für Kopf und Magen

Und den vielen Gästen wurde auch viel geboten, für den Magen wie für den Kopf. Zwischen Kühkopf-Café auf der einen und Hofgut-Café auf der anderen Seite fanden sich noch Stände des Hofgut-Fördervereins mit deftigen Speisen sowie Apfelwein und mehr aus der Region. Waren noch zwei Tage vorher die Riedbewohner nach Guntersblum geradelt, um es sich beim Leininger Markt und in Weingütern gut gehen zu lassen, so zogen die Völkerscharen nun in die andere Richtung. Tische und Bänke reichten kaum aus, die Grasfläche im Zentrum des Hofs wurde zum Picknick-Areal.

Von dort hatte man alle Angebote im Blick. Etwa den Stand der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt, die über ihre Bartgeier-Aufzuchtstation informierte und die Spannweite der imposanten Vögel mit einer drei Meter langen Schnur erfahrbar machte. Oder die Schädelsammlung von Fraport, die den Knochenbau heimischer Wildtiere demonstrierte und als Kontrast noch einen Tigerschädel zeigen konnte.

Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald bot neben dem Flechten und Punzen von Lederschmuck auch ein Eichenwald-Terrarium mit Großmodellen beeindruckender heimischer Insekten wie Nashornkäfer und Großer Eichenbock. Alte Eichenbestände auf dem Kühkopf sind ein wichtiges Habitat des Hirschkäfers, der gerade kurz vor dem Ausfliegen steht. Gleich nebenan gab es Artikel aus der Nähstube von „Stockstadt hilft“ und syrische Spezialitäten von Nazhat Shatlo.

Kleine Kinder konnten im Lesetipi Geschichten aus dem Auenwald hören, bevor sie sich vielleicht am Schminktisch mit einem Tiergesicht versehen ließen. Etwas größere begeisterten sich für Aktivangebote: Am Stand des Geoparks stellten besonders Mädchen mit Hingabe Kräutersalze her, indem sie Salzkörner und getrocknete Küchenkräuter in Mörsern zerkleinerten. Jungen bevorzugten die Möglichkeit, am Modell eines Wasserlaufs im Sand zu matschen und die Kräfte der Erosion am eigenen Leibe zu erfahren.

Auch Nistkästen konnte man mit dem Team des Umweltbildungszentrums bauen, daneben warteten die vielfältigen Ausstellungen zu Flora, Fauna und Landschaftsgeschichte. Im Verwalterhaus standen die historischen und künstlerischen Ausstellungsstücke zur Besichtigung bereit.


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Neuer Blick auf den Kühkopf

Stockstadt, 30.04.2018

AUSSTELLUNG Künstlerin Heike Schmid lässt das Naturschutzgebiet in anderen Farben erscheinen

STOCKSTADT – (gra). Den Elisabeth-Langgässer-Wanderwegs bildlich umsetzen: Das hat Heike Schmid, Künstlerin aus Leeheim, getan. In ihren Bildern, die seit dem Wochenende im Hofgut Guntershausen auf dem Kühkopf zu sehen sind, hat sie Naturaufnahmen entlang des Weges in der Knoblochsaue auf verschiedene Weise verfremdet.

Teils hat sie die Motive als Vorlage für Acryl- oder Temperagemälde genutzt, teils am Computer mit Bildbearbeitungsprogrammen farblich verändert. „Ich habe lange gekämpft und gearbeitet, um die Mystik des Weges darzustellen“, sagte sie bei der Eröffnung.

  • ZUR PERSON

Heike Schmid wurde 1959 in Eschwege geboren und kam über Stationen in Rüsselsheim und Weiterstadt nach Leeheim.1992 begann sie, verschiedene malerische Techniken zu erlernen, und richtete sich 1994 ein eigenes Atelier ein, wo sie auch Kurse gibt. (gra)

Bäume, Blätter und Wasser gehören zu den Konstanten, die sich immer wieder in den Bildern finden. Oft ähneln sich die Motive im Kern, sind aber mit einer jeweils eigenen Farbpalette dargestellt: eine Baumsilhouette in dunkelblauen Tönen vor hellblauem Hintergrund wirkt attraktiv und strahlt Ruhe aus, ganz anders ein ähnlicher schwarzer Baum vor einer Verwischung aus grün, gelb und ocker.

Unweit dieser Variationen hängen mehrere „Herbststurm“-Gemälde, die sich als ein dichtes Gemenge fliegender Blätter vor hellen Hintergrund sehen lassen, eine Naturimpression an der Grenze zum Abstrakten. Auf zwei oder vier Leinwände verteilt, bilden diese Bilder eine dekorative Gesamtheit.

Solche spannungsreichen Interventionen, in denen Mut und Kompositionssinn bewiesen werden, hätte man sich noch in anderen Bildern gewünscht, die zuweilen allzu gefällig erscheinen. Mehr Mut zur Abweichung und zum Experiment hätte gut getan, um neue Aussagebereiche zu erobern. Wenige Bilder wie „fliegende Landschaft“ beschreiten tatsächlich andere Wege.

Unter den Fotos, die Schmid verfremdet und dann auf Acrylplatten hat reproduzieren lassen, zeigen viele eine Überfärbung in Grün- und Pinktönen. „Roter Wald“ sticht heraus durch eine starke Farbigkeit, die in ihrer Verkehrung des Gewohnten an alte Farbnegative denken lässt. Auch bei „Pinke Flechte“ ist die Farbveränderung stärker durch das Motiv bestimmt und wirkt nicht einfach beliebig.

Stefan Grossmann aus Leeheim sagte in seiner Laudatio, es gebe „keinen besseren Ort als gerade hier“ für diese Bilder aus der Auenlandschaft. Dabei seien die Gemälde nicht nur Impressionen, sondern gewährten zugleich intime Einblicke in das Innere der Künstlerin. Die Ausstellung ist im Verwalterhaus des Hofguts bis zum 24. Juni zu sehen, geöffnet ist an Wochenenden und Feiertagen jeweils von 13 bis 17 Uhr.


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Erinnerung an die Schrecken des Krieges

Von René Granacher 

HOFGUTNACHMITTAG Jörg Hartung berichtet von einem Bombenangriff der Alliierten 1943 auf Stockstadt

STOCKSTADT – Es ist ein trauriges Ereignis, dessen beim Hofgutnachmittag gedacht wurde: Vor 75 Jahren fielen Bomben auf Stockstadt, eine Bürgerin starb. Jörg Hartung erinnerte daran bei seinem Vortrag im Hofgut Guntershausen, bei dem gut 50 Zuhörer anhand von Berichten und Fotografien mehr über das Geschehen erfuhren. Bürgermeister Thomas Raschel begrüßte die Gäste und betonte, wie wichtig die Erinnerung an die Schrecken des Krieges sei.

In der Nacht vom 10. auf den 11. April 1943 trugen Bomber der Alliierten den Zweiten Weltkrieg erstmals auch nach Stockstadt. Dabei war der Ort wahrscheinlich nur zufällig Ziel: Eigentlich war die tödliche Last für Frankfurt gedacht, doch eine dichte Wolkendecke verhinderte den planmäßigen Abwurf. Stattdessen fielen die Bomben wahllos über dem Rhein-Main-Gebiet.

Gegen 1 Uhr schlug eine große Luftmine in der Mitte des Marktplatzes ein, damals noch ein Acker, und zerstörte die erst wenige Jahre alten Häuser ringsum. Weitere Detonationen gab es etwa in der Kleingasse, wo hauptsächlich Scheunen zerstört wurden. Brandbomben fielen auf den Ort und die umliegenden Felder. 

Stürzten am Marktplatz durch die Wucht der Explosion die Hausmauern in sich zusammen, so wurden in benachbarten Straßen noch Dächer abgedeckt und Fenster eingedrückt. Auch alle Scheiben der nahen Kirche gingen zu Bruch, ihr Schieferdach wurde abgedeckt und die Turmuhr blieb im Moment der Detonation stehen. Hartung stellte historischen Fotos der beschädigten Gebäude späteren Aufnahmen der wieder aufgebauten Häuser gegenüber. Die Stockstädter hielten sich während des Luftangriffs in Kellerräumen und Bunkern versteckt, doch nicht allen rettete dies das Leben: In den Keller des Hauses Marktplatz 1 drang ein Bombensplitter ein und verletzte Babette Reichard, geborene Weicker, an der Halsschlagader. Die 27-jährige verblutete vor den Augen ihres Mannes und ihrer fünfjährigen Tochter.

Die Brände mehrerer Häuser konnte die kleine Feuerwehrtruppe aus älteren Männern und Jugendlichen mit ihrer kurz zuvor gekauften Motorspritze nicht eindämmen. Das Vieh wurde aus den Ställen getrieben, um es vor dem Verbrennen zu bewahren. Für die obdachlosen Bürger wurden am nächsten Tag Notunterkünfte gesucht, später gab es Geldsammlungen. Die Zeitungen schlachteten den Tod der Stockstädterin für Propagandazwecke aus: Um einen „Terrorangriff gegen die Zivilbevölkerung“ habe es sich gehandelt.

Bilder und Zeitzeugenberichte zu den Geschehnissen sind nachzulesen in der Broschüre „Die Nacht, als die Bomben kamen“, die Jörg Hartung zusammengestellt hat.

Ried-Echo vom 3.10.2017: Großherzog Ernst Ludwig, eine außergewöhnliche Persönlichkeit

STOCKSTADT – (bge). Der Wormser Reichstagsabgeordnete Cornelius Wilhelm Freiherr von Heyl zu Herrnsheim erwarb 1888 das auf dem Kühkopf liegende Hofgut Guntershausen. Er schuf dort ein Jagdparadies mit Seltenheitswert. Das berichtete Jörg Hartung bei einem „großherzoglichen Hofgutnachmittag“. Und so freute er sich besonders, dass mit Ludwig von Heyl der Urenkel des Freiherrn gekommen war.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung des Fördervereins Hofgut Guntershausen stand der letzte Darmstädter Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein. Der Regent besuchte häufig als Jagdgast den Kühkopf; sein 80. Todestag am 9. Oktober 1937 steht in diesem Jahr im Kalender. Seinen Vortrag veranschaulichte der Geschäftsführer des Fördervereins mit vielen Bildern.

Großherzog Ernst Ludwig sei eine sehr außergewöhnliche Persönlichkeit gewesen, sagte Hartung vor den rund 70 Zuhörern: geschieden, ein zweites Mal verheiratet, mehr Interesse an Kunst als am Militär, im Gespräch mit demokratischen Kräften. Die Lebensgeschichte des am 25. November 1868 geborenen Thronerben setzte sich mit dem Offiziersexamen und dem Studium der National-Ökonomie, deutscher Rechtsgeschichte, Monumentalkunst und Kunst der Gegenwart fort.

Eine Aufnahme machte die besondere Haltung Ernst Ludwigs zum Militär deutlich: schief aufgesetzte Mütze, Kippe lässig im Mundwinkel. Mit 23 Jahren trat er am 13. März 1892 die Nachfolge seines Vaters, Großherzog Ludwig IV., an. 1905 heiratete er Prinzessin Eleonore zu Solms-Hohensolms-Lich. Aus der Ehe gingen die Söhne Georg Donatus, von den Darmstädtern „Erbschorsch“ genannt, und Ludwig hervor.

Bis nach dem Ersten Weltkrieg im November 1918 habe sich der Großherzog erfolgreich bemüht, die Erwartungen der Bevölkerung zu erfüllen und die Entwicklung des Landes voranzutreiben. Hartung: „Das Volk hat ihm das mit ehrlicher Hochachtung gedankt.“ Der Referent zitierte Manfred Knodt: „Mit seinen Landeskindern konnte er umgehen, er lebte mit ihnen, er verstand ihre Sprache und er sprach sie auch, den Darmstädter Dialekt, das Heinerdeutsch.“

Erster Flugplatz in Deutschland

Hartung erinnerte an Wirkungen der Regierung des Fürsten: Der Ansiedlung der Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe 1899 verdankt Darmstadt die Bezeichnung „Stadt des Jugendstils“. Flugpionier August Euler gab Ernst Ludwig Raum, seine Ideen umzusetzen, so dass Darmstadt 1908 den ersten Flugplatz Deutschlands hatte. 1906 akzeptierte Ernst Ludwig die Wahl des SPD-Mitgliedes Leonhard Eißnert zum Beigeordneten in den Magistrat der Stadt Offenbach, was ihm in konservativen Kreisen den Schmähnamen „roter Großherzog“ eintrug.

Der Regent, so Hartung, zeichnete, schrieb Gedichte, wagte Kompositionsversuche, entwarf Theaterkulissen und Kostüme und beeinflusste Inszenierungen der Darmstädter Opernbühne. Der „Spiegel“ berichtete von einem Besuch am Zarenhof 1916, wo der Großherzog wohl eine Übereinkunft mit Russland, wenn nicht gar einem Separatfrieden habe erreichen wollen.


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Ried Echo vom 20.9.2017: Angebote rund um die Natur…

Ried Echo 20.09.2017

Angebote rund um die Natur und ihren Schutz locken zahlreiche Besucher auf den Kühkopf

Von Franziska Gütlich 

STOCKSTADT – Ein beliebtes Ausflugsziel war das Hofgut Guntershausen auf dem Kühkopf. Zahlreiche Familien nutzten das trockene Wetter und besuchten dort das Kelterfest „rund um den Apfel“ das Hofgut-Förderverein, Umweltbildungszentrum Schatzinsel Kühkopf und Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald ausrichteten. Im Hof fanden die Gäste allerhand Stände und Stationen zu Themen aus Natur, Naturschutz und Naturschutzgebiet. Besonders für die Kinder hatte man sich allerhand einfallen lassen. 

Absoluter Höhepunkt war das Mithelfen beim Auspressen von Apfelsaft an der Kinderkelter, während in einer anderen Ecke des Hofs erwachsene Kelterer am Werk waren. In 20-Kilogramm-Portionen gab Christin Kehrenberg die Früchte in den Trichter. Dann durfte der Nachwuchs fleißig kurbeln, um die Äpfel zu zerkleinern. „Auf, Paul, weiterdrehen“, feuerte ein Papa seinen Sohn an. Anschließend kam das Mus in die Presse. Noch ein paar Holzscheite auf den Deckel, „dann brauchen wir nicht so viel zu drehen“, erklärte Kehrenberg. Mit Hilfe einer langen Stange pressten die Kinder mit Begeisterung allen Saft aus den Äpfeln. Als am Ende nichts mehr aus dem Röhren lief, war ein kleiner zehn Liter Eimer voll.  

„Schaut mal, wie viel Äpfel wir hineingegeben haben in die Presse, und wie viel Saft wir erhalten haben“, forderte Kehrenberg die Kinder auf. Das sei nicht so viel, wie sie erwartet hätten, mussten auch einige Eltern einräumen. Als Lohn für die harte Arbeit, durfte sich jedes Kind am selbst gekelterten Most bedienen. Mancher staunte nicht schlecht, weil der frische Saft doch anders schmeckte als der Inhalt von Flaschen und Tüten aus dem Supermarkt. Die Apfel-Reste wurden nicht weggeworfen, sondern aufgehoben. Sie sollten später an Schweine oder Hühner verfüttert werden. Wer nun noch Kraft in den Armen hatte, konnte am Stand nebenan bei Hessen-Forst- Umweltpädagoge Peter Hahn ein Vogelhäuschen bauen.  

Auch für die Verpflegung der kleinen und großen Besucher war gesorgt: Im ehemaligen Verwalterhaus des Hofguts lockte eine gut bestückte Kuchentheke, und an diversen Grillstationen war von frischer Wildschweinbratwurst bis zur Räucherforelle eine breite Palette von Köstlichkeiten im Angebot. An einem weiteren Stand konnte man frischen Honig von Imker Gottschall probieren und Produkte rund um die Biene zu erwerben. Der Honig stammte direkt von den Bienenstöcken hinter dem Gutshaus, erklärte Klaus Gottschall. Er hatte außerdem einen kleinen Bienenstock mit einigen Waben ausgestellt, sodass Neugierige Bienenvolk und Königin auch von Nahem betrachten konnten. Dreimal im Jahr liefern die seit 2014 am „Bienenhügel“ stehenden Stöcke eine Ernte. Über die Pflege seiner Völker hinaus bietet das Imker-Ehepaar auch Aus- und Fortbildungen zum Freizeitimker an.“

Schädelraten mit dem Fraport-Biologen war im Hofgut angesagt, im Umweltbildungszentrum durften Kinder und Jugendliche die Mikroskopier-Werkstatt nutzen. Und bevor sie das Fest verließen, bastelten die kleinen Besucher noch einen Apfel aus Filz. Immer wieder mussten die Betreuerinnen das eine oder andere Kind vertrösten, weil der Andrang an dieser Station so groß war. Am Ende trug jedoch jeder stolz seinen selbst gemachten Apfel nach Hause.


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Ried-Echo vom 13.9.2017: Ehepaar Schreyer zeigt Fotografien und Malereien im Hofgut Guntershausen

Von René Granacher

STOCKSTADT – Landschaften in zweierlei Form sind derzeit in der Galerie des Hofguts Guntershausen zu sehen. Friedrich Schreyer hat die Natur der Rheinauen fotografiert, wie sie ist, wild und unberührt. Seine Frau Manuela Albu-Schreyer dagegen nimmt Landschaften als Inspiration für ihre abstrakte Malerei. Die Werke der beiden Gernsheimer wurden in einer Vernissage der Öffentlichkeit vorgestellt.

Viel Grün, Naturtöne oder auch schwarz-weiß dominieren in den Fotografien, die in verschiedenen Gebieten entlang des Rheins entstanden sind. Farbenfroh wirken demgegenüber die Gemälde: Mit Acryl und Pastellkreiden hat die Malerin farbige Flächen und Linien übereinandergelegt. Mit Landschaften würde man das Ergebnis kaum assoziieren, eher entsteht der Eindruck eines vielfarbigen Flammenmeers. Erst die Titel verraten, dass etwa Äste, Gräser oder Winde Grundlage der Darstellung waren.

Wirken die Bilder durch ihren einheitlichen Stil zunächst recht ähnlich, so entdeckt man auf den zweiten Blick die Unterschiede, die sich aus der gewählten Farbpalette ergeben: Ein Bild wird von kühlem Blau dominiert, ein anderes von feurigem Rot; eines wirkt harmonisch in der Farbzusammenstellung, ein anderes grell-bunt; eines wird von düsteren Tönen bestimmt, ein anderes lässt durch seine Pastellkombination an Flower-Power-Plakate denken. In das Gewirr und Gewebe der Linien kann der Betrachter manches hineinsehen.

Das Unbewusste Gestalt annehmen lassen

Die wildbewegten Farbmischungen stehen im Gegensatz zur ruhigen Stimmung in den Fotografien. Die Motive erscheinen jedem bekannt, der mit der Auenlandschaft etwa auf dem Kühkopf vertraut ist: Wasserflächen und Bäume, Unterholz und Kopfweiden. Manche der Motive sind Paradeansichten der Natur, wie sie oft und gerne festgehalten werden. In anderen Bildern scheint die Komposition zufällig und das Auge vermisst zunächst ein eigentliches Motiv. Er sei lange auf der Suche nach den richtigen Orten für die Fotos, erklärte Schreyer in seiner Einführung, und dokumentiere dann ihre Veränderung über Jahre hinweg.

Albu-Schreyer dagegen will im Malprozess auch ihr Unbewusstes Gestalt annehmen lassen, wie sie erklärte. Das Motiv Landschaft verwandle sich dabei zu einem Symbol – die Farbigkeit sei kein Chaos, sondern eine Suche nach Struktur und Ordnung. „Die Bilder fordern den Betrachter zum Dialog auf, hoffe ich.“

Claudia Blum-Borell begrüßte für den Förderverein des Hofguts die Besucher bei dieser letzten Kunstausstellung im Verwalterhaus für die laufende Saison. Sie las drei eigene Gedichte, die ebenfalls das Thema der Landschaft am Rhein aufgriffen. Bis zum 29. Oktober sind die Gemälde und Fotografien nun im Obergeschoss des Verwalterhauses auf dem Kühkopf zu sehen. Geöffnet ist an Wochenenden und Feiertagen von 13 bis 17 Uhr, der Eintritt ist frei.

 

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Ried Echo vom 26.7.2017: Künstlergruppe „Impuls-Art“ stellt im Hofgut Guntershausen aus

Von Anke Mosch

STOCKSTADT – Sie sind ein Hingucker, die drei Fotografien mit jeweils einem Schriftzug auf nackter Haut. „Save Our Souls“ ist auf einem Frauenpo, einem Männeroberkörper und im tiefen Rückenausschnitt eines Kleides zu lesen. Erst auf dem zweiten oder dritten Blick irritiert etwas an der dazugehörigen Kleidung – und das nicht, weil sie eher spärlich vorhanden ist. Denn Bluse, Hose und Kleid werden mit den Nähten nach außen getragen. 

Anregung durch Roman von Yoko Ogawa

Mara Danné und Feh Reichl haben mit ihrem Triptychon das Ausstellungsthema ganz wörtlich genommen, andere Mitglieder des offenen Künstler-Netzwerks „Impuls-Art“ arbeiten abstrakter. „Auf links gedreht“ heißt die aktuelle Ausstellung der seit 2003 bestehenden Künstlergruppe, die auf Einladung des Fördervereins Hofgut Guntershausen bis zum 3. September im Verwalterhaus des Hofguts auf dem Kühkopf zu sehen ist. Geöffnet ist samstags und sonntags von 13 bis 17 Uhr.

Angeregt zu dem Thema wurde „Impuls-Art“ durch den Roman der japanischen Schriftstellerin Yoko Ogawa, in dem sie ein Ritual schildert, bei dem die Kleidung von außen nach innen gekehrt wird, um böse Geister vom Menschen weg nach außen zu leiten, erzählt Künstlerin Iris Welke-Sturm. „Wir haben alle den Roman gelesen und haben dieses Thema als Ausgangspunkt für das Konzept unserer Ausstellung genommen.“ Für die Künstler aus Darmstadt und Umgebung war es der Impuls, eine andere Sichtweise einzunehmen und Blickrichtungen umzukrempeln – das Innere nach außen, aber auch das äußerlich Sichtbare nach innen zu kehren.

Die Künstler unterscheiden sich nicht nur durch die Nutzung verschiedener Materialien, sondern auch durch eine eigene Herangehensweise an das gemeinsame Thema. Welker-Sturm etwa, die sich als Wortstellerin bezeichnet und in ihren Werken fließende Übergänge zwischen Text- und Malkompositionen schafft, dreht und wendet in ihren Gemälden Wortbedeutungen – zum Teil ganz wörtlich. Über dem Schwarz gehaltenen Schriftzug „Hartz IV“ hängen Karteikärtchen an Bändchen in den Nationalfarben mit zum Thema assoziierten Begriffen. Auf der einen Seite steht das Nomen, auf der anderen das dazugehörige Adjektiv mitsamt Bedeutungsverschiebung: „Norm – normiert“ und „Wert – bewertet“.

Volker Hilarius hinterfragt den für Fotografien so selbstverständlichen Blick auf das vordergründig Sichtbare und lässt den Betrachter rätseln, was die tiefere Bedeutung der Oberflächen von „Surfaces 1-3“ oder den gitterartigen Strukturen von „Reflexes“ ist. Die Naturfotografien von Anne-Kathrin Matz mit Gräsern und Samenkapseln oder Landschaftsaufnahmen wiederum lassen mythische Welten hinter der realen Abbildung erahnen. Mit ihren fröhlich-bunten Grafikdrucken voller Blumen und Ranken stülpt MJC Wichmann positive Gefühle wie Liebe und Schwangerschaft von innen nach außen. Da brütet ein Vogelweibchen auf einem menschlichen Kopf, während der verliebte Vogelmann mit Zylinder auf einem Ast davor schmachtend zuschaut. „I can see you“ warnt dagegen Ute C. Rühl und zeigt in Tusche auf Papier bloßgelegte Körper ohne Kopf.


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