Kelterfest auf dem Kühkopf gut besucht

Ried Echo vom 18.09.2018  – von Kirstin Gründel

Es gab ein vielfältiges Programm für Groß und Klein rund um den Apfel. Der hessische Pomologen-Verein gab bekannt, dass der seltene Kalbfleischapfel die Sorte des Jahres 2019 sei.

STOCKSTADT – Hunderte Fahrräder standen am Sonntagvormittag vor dem Hofgut Guntershausen. Auf den Wegen des Kühkopfs tummelten sich Fußgänger und Radfahrer. Das warme und sonnige Wetter lockte mehr als 2000 Menschen zum Hofgut, dessen Förderverein gemeinsam mit dem Umweltbildungszentrum Schatzinsel-Kühkopf und dem Geopark Bergstraße-Odenwald zum traditionellen Kelterfest eingeladen hatte.

Es gab ein vielfältiges Programm für Groß und Klein rund um den Apfel. Direkt am Eingang begrüßten Mitglieder der Landesgruppe Hessen des Pomologen-Vereins sowie Streuobstwiesenretter die Gäste. „Die Menschen treten mit vielen verschiedenen, teils spezifischen, teils banalen oder auch absurden Fragen an uns heran“, erzählten die aktiven Vereinsmitglieder Mirko Franz und Robert Scheibel. Die Besucher fragten zum Beispiel, warum der Apfelbaum im eigenen Garten nicht wachse oder wo sie alte Apfelsorten und bestimmte Obstbäume kaufen könnten. Viele Tipps gaben die Pomologen den Gästen mit auf den Weg. Wer wollte, konnte von den Profis Äpfel aus dem eigenen Garten bestimmen lassen oder beim Memory immer zwei gleiche Äpfel suchen.

Besonders stolz präsentierten die Pomologen den Apfel des Jahres 2019: „Das wird der Kalbfleischapfel sein, eine südhessische Lokalsorte“, stellte Steffen Kahl vor, Landessprecher des Pomologen-Vereins. Diese Sorte sei in Hessen fast ausgestorben, heute seien den Pomologen hessenweit noch drei Altbäume bekannt, berichtete Kahl. Mit der Wahl des Apfels des Jahres wolle der Verein die Verbreitung lokaler Sorten fördern und sichern, dass diese nicht verloren gehen. Schließlich seien viele alte Sorten besonders gesundheitsfördernd und für viele Menschen verträglicher als neue Sorten.

Viel Interessantes erfuhren die Besucher auch am Stand des Hessenforstes. Die Mitarbeiter verkauften dort nicht nur Wildschweinwurst. Sie gaben auch Informationen zu ihren Aufgaben, zu Berufen und Ausbildungsmöglichkeiten im Wald. Darüber hinaus gaben sie Tipps, wie man sich bei Begegnungen mit Wildtieren und bei Wildunfällen richtig verhält. Einige Mitarbeiter pressten in Handarbeit frischen Apfelsaft, den die Besucher verkosten konnten.

Auch die kleinen Gäste konnten unter Anleitung von Mitarbeitern des Umweltbildungszentrums Apfelsaft keltern. „Zuerst kommen die Äpfel in den Muser“, erklärte eine Mitarbeiterin. Darin schredderten die Kinder aus den ganzen Früchten grobes Apfelmus. Dieses pressten sie dann zu Saft. Viel Kraft mussten die Kinder aufwenden, bis der Apfelsaft aus der Handkelter in den Eimer floss. Doch ihre Mühe wurde belohnt: „Der Apfelsaft ist richtig lecker“, strahlte ein Mädchen, als es nach der Anstrengung ein Glas probieren durfte.

Aufgrund des hohen Besucherandrangs bildeten sich an anderen Angeboten für die Kleinen lange Schlangen. Beim Kinderschminken kam eine Mitarbeiterin kaum hinterher, Katzen, Tiger und Prinzessinnen aus den Kindergesichtern zu zaubern. Auch beim Filzen von Äpfeln, das die Ranger anboten, wurden Kinder vertröstet oder gar weggeschickt. Die Farbschleuder, die das Kühkopf-Café beigesteuert hatte, begeisterte die Kinder und sie staunten, wenn sie sahen, welche Kunstwerke durch das Schleudern des Papiers entstanden. Kleiner Wermutstropfen: Das Farbangebot wurde am frühen Nachmittag beendet, da alle Mitarbeiter im Café gebraucht wurden.


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Mit einfachen Mitteln die Fantasie angeregt

Ried Echo vom 04.09.2018

Mit einfachen Mitteln die Fantasie angeregt – Von René Granacher

STOCKSTADT – Nur auf den ersten Blick ähnlich sind die Werke der beiden Darmstädter Künstler, die seit dem Wochenende ihre Werke im Hofgut Guntershausen auf dem Kühkopf ausstellen. Beide leben in oder bei Darmstadt und haben einen Hintergrund als Kunsterzieher, beide malen weitgehend abstrakt mit höchstens angedeuteten figürlichen Elementen. Dennoch haben die Bilder von Renate Reinhardt und Helmut Tischer in der Ausstellung „Farbe – frei in Raum und Zeit“ einen ganz unterschiedlichen Charakter.

So vermitteln Reinhardts Gemälde in Acryl fast immer einen Eindruck von Geschlossenheit und Konzentration auf ein Motiv, während Tischers Bilder eher zusammengesetzt wirken, manchmal wie collagiert. Besonders der Hintergrund ist aus Teilen aufgebaut, die keinem größeren Konzept zu folgen scheinen. Auch strahlen die meisten Bilder des Malers eine Buntheit aus, die im Nebeneinandersetzen reiner, leuchtender Farben gründet, oft Primärfarben und Grün. Reinhard arbeitet dagegen mit wechselnden Paletten und nutzt feine Schattierungen, um eine oft beeindruckende Gesamtwirkung zu erzielen.

Ihre Bilder legen dabei auch eher Assoziationen mit konkreten Motiven nahe, verfremdet durch wechselnde Farbstimmungen. Ragt beim elften der unbetitelten Werke nicht eine Felsnadel in den Dunst über einer Wasserfläche? Können die leuchtend aus Erdtönen emporspritzenden Farben im zweiten der Bilder nicht brodelnde Lava sein? Und beschwört die raffinierte Komposition des zwölften Bildes nicht drohende Wolkenberge über dem Meer herauf?

Nicht alle Werke sind gleich aussagekräftig, doch zuweilen gelingt es der Malerin, mit einfachen Mitteln die visuelle Fantasie des Betrachters zum Arbeiten zu bringen: Im fünften Bild etwa braucht es nur angedeutete weiße Strukturen im tiefen Blau und ein diffuses Licht in Türkis, um eine imaginäre Landschaft von mystischer Fremdheit ahnen zu lassen. Auf ganz andere Weise wirken Reinhardts große Formate: Das erste Bild mit einem Adler- oder Löwenkopf, der aus einem kunstvollen Gewirr von Rottönen ragt; das zehnte mit blau-orangen Wirbeln, die sich zu einem Tunnel formen.  

Das Ineinanderfließen von gegensätzlichen Farbflächen kennzeichnet demgegenüber die oft großformatigen Bilder Tischers. Mal fleckig und mal unscharf in der Wirkung, lassen die Farbhäufungen zahlreiche Interpretationen zu, bisweilen bis zur Beliebigkeit. Manchmal wird ein Konzept deutlich: Die „Dämmerstunde im Spätsommer“ beschränkt sich auf gedämpftere Farben, deren Verläufe an Batikbilder erinnern. „Tag im Vorfrühling“ lässt aus einer blau-weißen Fläche die Töne der wiedererwachenden Vegetationen hervorbrechen.

Acht kleinere Aquarelle Tischers sind tageweise um den Jahreswechsel 2010/11 entstanden und den entsprechenden „Rauhnächten“ zugeordnet. Dabei findet sich in meist einfachen Formen Symbolik wie weihnachtliches Leuchten, das Tor ins neue Jahr oder die Figuren der Heiligen Drei Könige.

Der Maler ist auch als Musikpädagoge tätig und zudem asiatischen Kulturtechniken zugetan, so Meditation und Qigong, japanischem Bogenschießen und der keramischen Technik Japans. Am 15. September und 13. Oktober (jeweils samstags) um 15 Uhr lädt Tischer zu kurzen Vorführungen von „Wildgans-Qigong“ in den Ausstellungsräumen ein.


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Auf Höhenflug folgt eine Bruchlandung

Ried Echo vom 31.08.2018

Auf Höhenflug folgt eine Bruchlandung

Luftschiff LZ 4 Der Blick auf die Geschichte der Zeppeline erinnert stets an einen Grafen – Von Benita Nold

Im Heimatmuseum Stockstadt gibt es eine Reihe zu Exponaten zur Geschichte der Zeppeline. Besonders außergewöhnlich ist ein originales Wrackteil des verunglückten Luftschiffs LZ 4.

STOCKSTADT – Ein gesonderter Raum des Heimatmuseums befasst sich ausführlich mit den Hintergründen und Geschehnissen zur Notlandung des Grafen Zeppelin mit seinem Luftschiff LZ 4 auf dem Rhein. Modelle, Bilder des Grafen und Tafeln über die Geschichte der Luftschiffe erklären, was es mit den verschiedenen Ausstellungsstücken auf sich hat. Besonders außergewöhnlich ist ein originales Wrackteil des am 5. August 1908 bei Echterdingen verunglückten Zeppelin’schen Luftschiffs. Auch ein Hüllenrest befindet sich in der Vitrine.

Viele Bilder und Zeichnungen erinnern an die zahlreichen Konstruktionsversuche des Grafen Zeppelin und das Pech seiner Fluggeräte. Der Brand des Luftschiffs hätte vor 110 Jahren beinahe das Aus für die Zeppeline bedeutet, noch bevor die Ära der Luftschiffe richtig begonnen hatte. Doch eine Spendenaktion rettete letztlich das Zeppelin-Projekt.

Graf Zeppelin war bereits 52 Jahre alt, als er sich ab 1890 voll und ganz mit der Entwicklung von Starrluftschiffen beschäftigte. Am 2. Juli 1900 war es endlich so weit. Der Graf stieg am Bodensee mit seinem gelben Prototypen LZ 1 400 Meter hoch in die Luft. Doch bereits wenige Monate nach dem erfolgreichen Start brach das Luftschiff auseinander, da Aufhängeketten gerissen waren. Sofort machte sich der Graf an den Bau eines neuen Luftschiffes. 1905 war so das LZ 2 fertig. Das Luftschiff war nun leichter, die Motoren wurden verstärkt. Aufgrund zu starken Seitenwinds erlitt es eine Havarie. Beim zweiten Probeflug setzte eine Gewitterböe ein und richtete das Luftschiff so zu, dass der Graf am nächsten Morgen den Abbruch anordnete. Trotz seines hohen Alters verzweifelte Graf Zeppelin nicht. Lange erfolgreich war sein nächster Versuch, das LZ 3, das für das Deutsche Reich besonders attraktiv war und unterstützt wurde. Problemlos konnte das Luftschiff durch Wind und Wetter fliegen. Endlich zeigten sich die Vorteile des Zeppelin‘schen Systems mit seinen zwei Motoren und seiner Steuerungsvorrichtung. Das Luftschiff konnte auf Wasser und festem Boden erfolgreich landen und sicher wieder aufsteigen.

Die deutsche Armee wollte neben dem LZ 3 einen weiteren Zeppelin kaufen, stellte jedoch die Bedingung, dass dieser für eine 24-Stunden-Fahrt geeignet sein müsse. Am 4. August 1908 startete das LZ 4 in Friedrichshafen Richtung Mainz. Ein Motorschaden zwang das Schiff am Kornsand bei Geinsheim zur Notlandung. Der Motor konnte innerhalb von vier Stunden repariert werden, am Abend startete das Luftschiff erneut. Auf dem Rückweg gab es jedoch wieder Probleme mit dem Motor. Der Zeppelin musste auf den Feldern bei Echterdingen in der Nähe von Stuttgart zwischenlanden. Ein Sturm riss das Schiff am 5. August aus seiner Verankerung. In einem Obstbaum gestrandet, fing es Feuer.

Von der stolzen Konstruktion blieben nur noch rauchende Trümmer. Beinahe hätte der Unfall das wirtschaftliche Aus für die Luftschiffe bedeutet. Doch einer der zahlreichen Zuschauer rief spontan eine Spendenaktion ins Leben und löste eine beispiellose Welle der Hilfsbereitschaft im ganzen Land aus. Eine Summe von 6 096 555 Mark ermöglichte es dem Grafen, die Luftschiffbau Zeppelin GmbH zu gründen und eine Zeppelin-Stiftung ins Leben zu rufen. In den nächsten 30 Jahren dominierten die Luftschiffe die Lüfte, und noch heute macht ihre Geschichte im Museum Eindruck und erinnert an den Grafen, der die zweite Hälfte seines Lebens ausschließlich den Zeppelinen widmete.

 DIE SERIE

In der Serie mit Exponaten des Heimatmuseums Stockstadt im Hofgut Guntershausen sind bisher der „Rübenheber“ und der fürstliche WC-Sitz erschienen. (dev)


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Sieben neue Kräuterpädagoginnen

Ried Echo vom 7.8.2018

Von Rene Granacher

STOCKSTADT – Sieben Kräuterpädagoginnen gibt es seit dem Wochenende, die meisten davon aus Südhessen. Mit einer Abschlussprüfung im Hofgut Guntershausen endete ein rund einjähriger Lehrgang der Gundermann-Akademie, die den Teilnehmerinnen das Wissen um heimische Wildpflanzen in Theorie und Praxis vermittelte. An zehn Wochenenden ging es um das sichere Erkennen von Pflanzen und um ihren Einsatz – sei es in der Küche oder in der Heilkunde.

Zur Abschlussveranstaltung war am Samstag auch Bürgermeister Thomas Raschel (CDU) gekommen, der in den Kräuterkenntnissen einen weiteren Schatz der „Schatzinsel Kühkopf“ sah: „Ich freue mich, wenn das alte Wissen aufgegriffen und ans Tageslicht gebracht wird.“ Für den Förderverein des Hofguts war Jörg Hartung im Verwalterhaus dabei.

Zum Abschluss ihres Lehrgangs bewiesen die Frauen ihre über ein Jahr erworbenen Kenntnisse zunächst in einer theoretischen Prüfung, dann in einer kurzen Themenführung. Solche sollen die frisch gebackenen Pädagoginnen selbstständig anbieten können, weshalb die fachgerechte Vorbereitung wichtiger Teil der Ausbildung war. Viel Raum nahm auch die Zubereitung lukullischer Genüsse aus Wildpflanzen ein.

Über das Ausbildungsjahr hinweg hatte sich jede Teilnehmerin auch ein eigenes Herbarium angelegt: einen Ordner mit selbst gesammelten und gepressten Pflanzen. Weil auch Präsentation und Vermarktung dazugehören, war für das Wochenende ein individueller Tisch mit Ausstellungsstücken vorzubereiten, wie er etwa auf Veranstaltungen aufgebaut werden könnte. „Komm mit ins Grüne – Wildkräutersalz von der Unkrautwiese“ war etwa der Tisch von Kerstin Beimborn überschrieben. Neben Salzen hatte sie auch Beispiele für Kräuterlimonade und -gebäck dabei.

Gaby Kissel aus Gernsheim zeigte eine bunte Mischung von Wildkräuterquiz, Kräuterspaziergang und einer „Kräuterbutter vom Wegesrand“. Anja Bauer aus Trebur hatte das Motto „Kräuterpicknick mit dem König“ gewählt und spielte damit auf die „edle Familie“ der Wegerichgewächse an.

Absolventinnen bereiten Ausstellung vor

„Wildkräuter-Entdeckungen für die ganze Familie“ will Angela Weiss aus dem Rheingau bieten, mitgebracht hatte sie etwa Spitzwegerich-Brötchen und Rosmarin-Öl. Die Biebesheimerin Elke Albrecht hatte ihren Tisch dekorativ gestaltet mit bepflanzten Schuhen und regionalem Führungs-Zubehör wie einer Autanflasche. Silke Krapp hatte zum Motto „Von der Wiese in die Butter“ ihre Präsentation um einen Schaukasten ergänzt.

Eve Koutny aus Klein-Gerau zeigte flüssige Zubereitungen: Essige, Liköre und Schnäpse mit heimischen Wildpflanzen. Für ihre Kräutersalze hatte sie gezielt solche Pflanzen benutzt, die bei der gegenwärtigen Dürre noch zu finden sind, erklärte sie in ihrem Prüfungsgespräch


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Ernten mit dem Rübenheber

Ried-Echo vom 31.7.2018 (von Benita Nold)

STOCKSTADT – Grübelnd steht der Museumsbesucher vor einer Glasvitrine. Was versteckt sich hinter diesem ungewöhnlichen Ding? Ein Teil einer Kutsche? Ein Werkzeug? Es ist ein Rübenheber. Ein Werkzeug, das zur Ernte von Rüben verwendet wurde. Das Ausstellungsstück ist über 100 Jahre alt und befindet sich im Heimatmuseum Stockstadt.

So wie eine alten Kutschenlaterne, ein Fernsprechgerät, ein Locher und eine Schreibmaschine ist der Rübenheber ein Alltagsgegenstand des 19. Jahrhunderts. Bis in die vierziger Jahre erfolgte die Ernte noch in Handarbeit. Den Rübenheber setzte man bei festem oder ausgetrocknetem Boden ein, wenn sich die Rübe nicht mit bloßen Händen herausziehen ließ. Schon bald war der handgeschmiedete Rübenheber jedoch veraltet. Erste Rübenerntemaschinen kamen ab 1860 auf den Markt.

Mit Hilfe der Maschinen wurde der Boden aufgelockert und die Rüben angehoben, sodass sie leichter aus der Erde gezogen werden konnten. Ab 1920 kamen pferdegezogene Rodepflüge auf, die zwei Zinken besaßen. Mit dem Pflug war der Bauer in der Lage, die Rüben ganz aus dem Boden zu pflügen und seitlich abzulegen. Ende der dreißiger Jahre gab es dann zweireihige Köpfschlitten, die zusätzlich mit waagerecht angebrachten Messern die Rübenblätter abschnitten. Die Maschinen erledigten die Arbeit von zehn Arbeitern. Heutzutage wird die unvorstellbare, mühsame und zeitaufwendige Arbeit von hoch technisierten Vollerntemaschinen übernommen.

Auch andere Dinge haben sich weiterentwickelt. Ein „Fernsprechapparat“ heißt heute Telefon und hängt nicht mehr an einem Kabel. Statt Schreibmaschinen gibt es Computer, Kutschen sind kaum noch auf öffentlichen Straßen zu sehen. Wie sich alles verändert hat, wird im Stockstädter Museum deutlich.

Das Museum ist untergebracht im ehemaligen Verwalterhaus des Hofguts Guntershausen auf dem Kühkopf. Neben Kunst- und Sonderausstellungen wird eine Dauerausstellung zur Geschichte des Hofguts gezeigt. Ein Modell des früheren Herrenhauses und ein Modell der Wirtschaftsgebäude zeigen, wie sich die Anlage verändert hat.

Auf Informations-Tafeln kann sich der Besucher ausführlich über Vergangenes und Aktuelles informieren. Mit den Exponaten wird Geschichte zum Leben erweckt. Ein ausgestopfter Jagdfasan erinnert ebenso an vergangene Jagdausflüge wie ein Klappstuhl, den der russische Zar Nikolaus II. bei seiner „Hubertus-Jagd“ benutzt haben soll.


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Vom Erproben der Möglichkeiten

Ried-Echo vom 2.7.2018 (von René Granacher)

Vom Erproben der Möglichkeiten

WALTRAUD VOSNIAK Oppenheimer Künstlerin zeigt Bilder und Skulpturen im Hofgut Guntershausen

STOCKSTADT – Werke in verschiedenen Techniken und Stilen umfasst die Ausstellung von Waltraud Vosniak, die am Freitagabend im Verwalterhaus des Hofguts Guntershausen eröffnet wurde. Die Oppenheimerin zeigt Bilder in Acryl, Aquarell und Öl ebenso wie Keramiken und Bildhauerarbeiten. Betitelt ist die Zusammenstellung mit „Spuren von Begegnungen“. Claudia Blum-Borell vom Förderverein des Hofguts begrüßte die Gäste der Vernissage.

Die künstlerische Mischung ist gekennzeichnet vom Erproben verschiedener Möglichkeiten. In ihrer Einführung beschrieb Vosniak den Unterschied zwischen Bildhauerei und Plastizieren: Ist ein Wegnehmen vom Stein nicht mehr rückgängig zu machen, so kann man beim aufbauenden Arbeiten immer wieder hinzufügen und verbessern, bis der gewünschte Endzustand erreicht ist.

Wiederholtes Übermalen und Perfektionieren

Die ausgestellten Objekte legen Zeugnis davon ab, dass diese Vorgehensweise auch diejenige ist, die der Künstlerin mehr liegt. Zwei große Keramikarbeiten lassen am ehesten eine eigene Handschrift erkennen: die „Aufsteigende“, eine weibliche Aktfigur, und der als weiblich angedeutete Torso mit Stierkopf, der mit „Zerrissene Seele, Stier-Frau“ bezeichnet ist.

Von der Zerrissenheit, mit der Vosniak sich selbst in ihrem Sternzeichen widerspiegeln will, ist im fertigen Werk zwar wenig spürbar, doch bilden die Proportionen und die Oberflächenstruktur der dunklen Minotaurus-Frau ein gefälliges Ganzes. In Sandstein sind etwa ein stilisierter Falke, ein liegendes Schwein und eine Frauenbüste zu sehen.

Auch unter den Gemälden und Zeichnungen sind diejenigen am gelungensten, deren Technik (Öl oder Acryl) ein wiederholtes Übermalen und Perfektionieren erlaubt. Die zahlreichen Aquarelle zeigen vor allem, dass es eine gute Beherrschung dieser Technik und auch ein Gefühl für die Wirkung von Farben braucht, damit ein Ergebnis jenseits der Wasserfarbenbilder auf Schulniveau entsteht. Eine gelungene Zeichnung ist der liegende Akt, den Vosniak mit Lokalfarben auf zuvor gelb eingefärbtem Papier gestaltet hat.

Zu den Acrylbildern gehört etwa „wein_reich“: Ein Blick von oben auf gefüllte Weingläser, sodass sich auf Basis einer Palette vor allem von Gelbtönen ringförmige Strukturen abzeichnen. Das hat ebenso graphische Anklänge wie „Südstrand-Häuser“, das beste der Ölbilder in der Ausstellung. Ebenfalls in Öl ausgeführt ist der „Seespaziergang à la Macke“, die Nachahmung eines expressionistischen Stils.

Das Acrylbild „Portrait Freund“ gefällt vor allem durch die gelungene Modellierung des Gesichts, ergänzt ist es um Collagenelemente. Im Bild der „Madame Euro“ wurden geschredderte Geldscheine verarbeitet. Das Bild einer weißen Amaryllisblüte wirkt durch seine reduzierte Buntheit und die klar gemalte Blüte vor verwaschenem Hintergrund. Ähnlich angelegt sind die „weißen Tulpen auf Rot“. Als größtes Format innerhalb der Ausstellung fällt „Bewahr dir dein Leben!“ auf, ein Wimmelbild mit Anklängen an die Naive Malerei.

 

  • TERMIN

Die Ausstellung ist bis zum 26. August im Verwalterhaus des Hofguts Guntershausen zu sehen. Geöffnet ist samstags und sonntags jeweils von 13 bis 17 Uhr, der Eintritt ist frei. (gra)


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Englische Nobel-Toilette im Heimatmuseum

Ried Echo vom 05.06.2018

Von Benita Nold

STOCKSTADT – „Was macht denn die Toilette da?“, fragt sich womöglich der eine oder andere Besucher des Stockstädter Heimatmuseums. Inmitten von alten Werkzeugen, Kutschenteilen und einem Modell des früheren Herrenhauses des Guts steht sie auf einer Erhöhung aus Holz. Sie ist in blauer Farbe mit Fasanen, Blumenranken und Blattwerk prunkvoll bemalt und glasiert. Sie ist ein richtiges „Nobel-WC“.

Nach fast 40 Jahren kehrte der Toilettensitz 2014 auf den Kühkopf zurück. Die Nobel-Toilette gehörte Cornelius Wilhelm Freiherr von Heyl zu Herrnsheim und befand sich im ehemaligen Herrenhaus des Hofgutes Guntershausen. Kurz vor dem Abbruch des „Herrschaftshauses“ Ende der siebziger Jahre wurde die Toilette vom Sohn des früheren Gutsverwalters, Thomas Gaudchau, vor der Zerstörung gerettet und seither aufbewahrt. Er übergab die Rarität an den Förderverein Hofgut Guntershausen für das Museum im Hofgut.

Es handelt sich um eine Toilette der Marke „Cauldon“ mit dem Modellnamen „The Neptun“, die in den 1890er Jahren in England in der Grafschaft Staffordshire, vermutlich von der Firma „Brown-Westhead, Moore & Co“ produziert wurde. Der Überlieferung nach befanden sich ursprünglich zwei dieser Toiletten im Herrenhaus, wovon eine allerdings zu Bruch ging.

Solange es im Haus noch kein fließendes Wasser gab, musste zur Spülung der Toiletten ein eigens im Dachgeschoss angebrachter Wassertank von den Bediensteten des Freiherrn mit Eimern aufgefüllt werden. Da der Freiherr von Heyl zu Herrnsheim in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg regelmäßig zahlreiche hochrangige Jagdgäste wie Prinz Heinrich von Preußen, Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein sowie König Wilhelm II von Württemberg in seinem Herrenhaus empfing, ist davon auszugehen, dass diese Toilette dort gelegentlich auch von diesen Herrschaften aufgesucht wurde.

Zar Nikolaus II von Russland war ebenfalls Besucher des Freiherrn. Ihm wurde ebenfalls ein Exponat im Museum gewidmet. Eine Nachbildung des Klappstuhls des Zaren, auf dem er während der „Hubertus-Jagd“ am 3. November 1903 gesessen hatte, steht direkt neben dem Nobel-WC. Auf der Lehne ist zu lesen: „Auf diesem Stuhle saß Nikolaus II., Kaiser von Russland, auf der „Hubertus-Jagd“ im Jahre 1903 zu Guntershausen“. Wer damals die Beschriftung anbrachte, ist heute nicht mehr nachvollziehbar.

Klappstuhl für Zar Nikolaus

Um eine Nachahmung handelt es sich deshalb, weil der originale Klappstuhl im Besitz der in Guntersblum lebenden Nachkommen des früheren Oberförsters Alois Bauer ist, der den Stuhl nach der Jagd an sich nahm. Bauer wohnte im Forsthaus des Hofgutes Guntershausen auf dem Kühkopf und unterstützte den Freiherrn von Heyl zu Herrnsheim bei der Organisation und Durchführung der Jagd.

„Dem Tagebuch des Zaren ist zu entnehmen, dass er diesen Tag als sehr angenehm empfand, er fühlte sich auf dem Kühkopf sehr wohl“, ist auf einer der vielen erklärenden Tafeln zu lesen, die an den Wänden des Museums aufgehängt wurden. Ein Bild des Zaren, die auf seinen Besuch abgestimmte Tagesordnung sowie seine Jagdgesellschaft sind für einen anschaulichen Eindruck der Geschehnisse auf der Tafel platziert worden.


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Horst Eckert stellt auf dem Hofgut Guntershausen sein Buch „Der Preis des Todes“ vor

Ried Echo / Stockstadt 02.06.2018

Horst Eckert stellt auf dem Hofgut Guntershausen sein Buch „Der Preis des Todes“ vor

Von Anke Mosch

STOCKSTADT – Der Krimiautor Horst Eckert ist ein früherer Journalist, der eines nie wollte: einen Journalisten zur Hauptfigur seiner Romane zu machen. „Meine ausgedachten Kriminalfälle möchte ich von Leuten lösen lassen, die das auch im wirklichen Leben machen – das ist meinem Realitätssinn geschuldet“, sagte Eckert. Schließlich sei er in 15 Jahren Fernsehjournalismus auch nicht ständig über Leichen gestolpert und habe zwar schon mal über einen Mord berichtet, die Ermittlungsarbeit aber tunlichst Kriminalbeamten überlassen.

Hauptfigur gerät in einen Gewissenskonflikt

Eckert war am Mittwochabend in den ehemaligen Pferdestall des Hofguts Guntershausen gekommen, um in der Reihe der Kreisvolkshochschule „Krimispannung mit der VHS“ seinen im März erschienenen Politthriller „Der Preis des Todes“ vorzustellen. Noch vor Beginn der Lesung bekannte er, sich in seinem 15. Roman von seinem schriftstellerischen Dogma gelöst zu haben. Denn Hauptfigur ist die junge Journalistin Sarah Wolf, die erst seit kurzer Zeit die wichtigste Polit-Talkshow im Abendprogramm der ARD leitet. Ihr Leben mit dem Kampf um Karriere und Quoten wird noch dadurch verkompliziert, dass sie heimlich mit Christian Wagner liiert ist, Shootingstar der SPD und Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, dem eine große Karriere vorhergesagt wird. Wenn da nicht seine Beziehungen noch aus seiner Abgeordnetenzeit zu dem größten privaten Krankenhausbetreiber Samax wären. Als Samax den wichtigsten Konkurrenten aufkaufen will und ein befürwortendes Schreiben Wagners an den Wirtschaftsminister bekannt wird, gerät Sarah in einen Gewissenskonflikt.

In seiner Lesung quer durch das Buch bis gegen Ende des zweiten Drittels schilderte Eckert auch Sarahs Sendung zum Thema Lobbyismus, in deren Vorfeld sie sich schweren Herzens für einen Einspieler über ihren heimlichen Geliebten entschieden hat – um dann entgeistert während der Live-Show feststellen zu müssen, dass der entsprechende Beitrag um den Teil über Wagner gekürzt wurde. Als sie nach der Sendung in den Schneideraum stürmt, erfährt sie, dass der Staatssekretär kurz zuvor erhängt in seiner Berliner Wohnung gefunden worden war. Was Sarah – und die Zuhörer – schon geahnt hatten, wird schnell Gewissheit: Tatsächlich war es Mord, und die Journalistin beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln. Die Spuren führen ins größte Flüchtlingslager der Welt, nach Dadaab im Nordosten Kenias und zum dortigen Krankenhaus.

 

  • ERLÄUTERUNGEN

Horst Eckert unterbrach seine Lesung immer wieder für ergänzende Erklärungen. So erfuhren die Zuhörer, dass der Glauser-Preisträger nur ein weiteres schriftstellerisches Dogma hat: Seine Thriller sollen in der Großstadt angesiedelt sein, weil dort alle sozialen Milieus vertreten sind. Für Eckert, der seit über 30 Jahren in Düsseldorf lebt, ist es die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt. In „Der Preis des Todes“ wird auch dieses Prinzip zumindest aufgeweicht. Denn Düsseldorf wird hier zum Nebenschauplatz, in den üblen Machenschaften um Gesundheitspolitik treten Berlin und das gigantische Flüchtlingslager in der Halbwüste Kenias in den Mittelpunkt. (anmo)


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„Bees Denäwe“ pflegt das Ried-Heimatgefühl

Ried-Echo vom 7.5.2018

Von René Granacher

STOCKSTADT – Konzerte von „Bees Denäwe“ sind Abende, bei denen das Ried sich selbst feiert und viel Spaß dabei hat. Wobei „Konzerte“ die Sache kaum noch trifft, denn über die Jahre hat sich der Erzählanteil bei den Shows von Klaus Lohr und Franz Offenbecher immer mehr vergrößert: Wenn man nach drei Stunden Kurzweil geht, hat man erstaunlich wenige Lieder gehört.

Trockener Humor zu Musik vom Typ Country-Rock

Vielleicht trägt das ja noch dazu bei, dass der Hunger auf das Ried-Duo nie ganz gestillt wird und ihre Auftritte oft innerhalb von Stunden ausverkauft sind. So war es auch bei der Veranstaltung am Freitagabend, zu der die Kulturinitiative Stockstadt die beiden Musiker in den ehemaligen Pferdestall des Hofguts Guntershausen eingeladen hatte. Der rustikale Rahmen passte hervorragend zu den Sängern, deren Auftrittskleidung Stalljacke und Gummistiefel ist.
Unter den vielen gut erfundenen Anekdoten an diesem Abend war auch die von der älteren Zuhörerin, die um ein Stück „Heimatmusik“ bat – und auf nähere Nachfrage das Kufsteinlied als Beispiel nannte. „Gebirgsmusik!“, gab Lohr sich fassungslos, wo doch die höchste Erhebung in Stockstadt das Geländer der Altrheinbrücke sei. Dagegen setzt „Bees Denäwe“ also echte Ried-Heimatmusik wie „Mir sein aus‘m Ried“ als heimliche Hymne der Region, deren beinahe ekstatischen Refrain viele im Publikum schon mitsingen konnten.
Die weitere Mischung war so einzigartig, wie man sie nur von Lohr und Offenbecher kennt: Südhessische Mundart und trockener Humor zu Musik vom Typ Country-Rock – und von Klaus Lohr eine Röhre, mit der er auch Heavy Metal singen könnte. Da paart sich sein Erzähl- und Unterhaltungstalent, das er mit sympathischer Natürlichkeit und Selbstironie auf die Bühne bringt, mit einem professionellen Niveau der musikalischen Darbietung, das die beiden Ried-Barden hinter all den Pointen und Späßen geradezu verstecken.
So erzählt Lohr von Hessisch-Integrationskursen, die er für Syrer „und Leute aus’m Neubaugebiet“ gebe, damit die erstmal wichtige Wörter wie „Kroppedeckel“ lernen. Überhaupt, die Mundart: Deren Aussterben wollen die beiden zumindest verzögern mit Liedern über „Stoppeler, Kruscheler, Fuddler und Hockeler“, die zum besseren Verständnis mit vielen heiteren Erläuterungen begleitet wurden.
Zu hören waren Klassiker wie die „Bombelkapp“ oder das schönste Ried-Seemannslied „Ahoi, Ahoi“ (über die Fahrt nach Guntersblum), ebenso aber Neueres wie „Ei, gugge mol do“ (über die Konfrontation zwischen Riedbewohnern und Stadtvolk) oder „Liebe auf’m Land“. Hier gehörte als Anekdote dazu, wie man als Jüngling aus dem Ried einst in der Disco keine Chancen bei den Damen hatte. Immerhin: Die Jünglinge aus dem Odenwald durften in die Disco gar nicht erst rein.
Lohrs ausdrucksstarke und wandlungsfähige Stimme belebte auch hessisch-englische Mischungen wie „Sing with me the Äbbelwoi-Song“ oder das Werk über den Odenwälder Ur-Jodler, das den Dialekt des nahen Mittelgebirges sanft auf die Schippe nimmt. Mehr Gefühl als Spaß gab es ausnahmsweise bei „Ich geheer ins Ried“ – dem dafür eine ausführlich-humoristische Betrachtung vorangestellt wurde, welche Orte dem Ried eigentlich zuzurechnen seien. Am Schluss stand nach der Logik des Rückwärts-Konzerts das gemeinsame Einsingen: Dazu hielt das Duo den so sinnfreien wie witzigen Nonsens-Ohrwurm „Lalalaa“ bereit.

Ein Auftritt von „Bees Denäwe“ ist wohl die heiterste Art, sein Heimatgefühl zu pflegen. Für die passende Bewirtung mit Äbbelwoi und deftigen Speisen sorgte an diesem Abend der Förderverein des Hofguts Guntershausen.


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