Unterstützung von der Stiftung

Groß Gerauer Echo 27.9.2022 – von René Granacher

STOCKSTADT – Die Sparkassenstiftung Groß-Gerau unterstützt die Sitzkissenlesungen für Schulklassen im Hofgut Guntershausen. Sie hat Mittel zur Verfügung gestellt, um einen Laptop plus Bildschirm zur Wiedergabe von Bildern sowie professionelle Sitzkissen anzuschaffen, teilt der Förderverein des Hofguts mit. Die Gegenstände werden am Donnerstag, 29. September, von der Stiftungsmanagerin Anette Neumann im Hofgut übergeben.

Die Schulklassen werden für das Angebot immer in zwei Gruppen aufgeteilt: Die eine bekommt von Claudia Blum-Borell im ersten Stock des Verwalterhauses eine Geschichte mit Bildern vorgelesen, die andere erfährt von Peter Hahn im Umweltbildungszentrum Interessantes zu den Naturschätzen des Kühkopfs. Nach einer Frühstückspause im Pferdestall werden die Gruppen getauscht. Volker Blum als Vorsitzender des Fördervereins nennt das Projekt als Beispiel für die gute Zusammenarbeit des Fördervereins mit dem Umweltbildungszentrum zur Gestaltung außerschulischen Lernens.

Stockstadt: Kleine Dramen vor der Linse

Artikel im Groß Gerauer Echo vom 10.9.2022

Im Stockstädter Hofgut Guntershausen ist Monika Seibs Ausstellung „Wasser und Licht“ eröffnet worden.

von René Granacher

STOCKSTADT – Warum ist der Seminarraum des Hofguts Guntershausen voll mit Besuchern, wenn es dort Fotos von Dingen zu sehen gibt, die man in der nahen Umgebung des Hofguts auch live betrachten kann? Zum einen, weil Motive wie ein Hochwasser am Kühkopf eben nur zu bestimmten Zeiten zu sehen sind. Wichtigerer Grund ist aber, dass die Aufnahmen von Monika Seib unter der Überschrift „Wasser und Licht“ Dinge sichtbar machen, die vielen Menschen einfach entgehen.

Die Schönheiten der Natur im Ried sind gut bekannt. Spiegelungen von Himmeln und Bäumen im Wasser, ein Silberreiher in der Modau, eine Brücke im Hochwasser: Das sind noch vertraute Bilder. Die Fotografin hat aber genauer hingesehen und Aspekte entdeckt, die nicht unbedingt spektakulär sind, aber kennzeichnend für die Besonderheiten der Landschaft.

Filigrane Eisgebilde etwa, die nach dem Rückzug des Wassers in Zweigen oder auf Gräsern verbleiben, oder eine Mohnblume, die zart vom Gegenlicht durchleuchtet wird. Auch kleine Dramen sind zu sehen: Ameisen, die vor dem ansteigenden Wasser versuchen, ihre Brut in Sicherheit zu bringen. Eine gute Kamera wie Seibs Canon Eos 70D ist da hilfreich, Voraussetzung ist aber zuallererst das Auge, um die Motive überhaupt zu entdecken – und dann noch die richtige Position und Brennweite zu finden, damit sich ein Bild mit gelungenem Aufbau ergibt.

Vor drei Jahren musste die Hobbyfotografin noch zu ihrer ersten Ausstellung überredet werden, erinnerte sich in seiner Einführung Wilfried Pfeiffer, einst Seibs Vorgesetzter im Stockstädter Bauamt. Inzwischen identifiziert sie selbst manche ihrer Bilder als ausstellenswert, bestärkt durch die positiven Rückmeldungen, die sie auf sozialen Medien für ihre Fotos bekommt.

Die meisten Bilder in der Ausstellung sind bei Winter- und Sommerhochwassern 2021 rund um den Kühkopf entstanden, berichtete Monika Seib selbst. Mit diesen Naturphänomenen seien die Stockstädter vertraut: „Das Wasser gibt Leben, kann es aber auch nehmen – darum sollten wir ihm mit Respekt begegnen.“ Es erfülle sie sehr, Naturschönheiten bildlich festzuhalten, und beim Betrachten einer Spiegelung im Wasser stehe für sie die Welt still. „Wir sind Teil der Natur und sollten mit ihr leben“, schloss sie, „nicht sie beherrschen wollen.“

Neben den Wasserbildern vom Altrhein gibt es einige Aufnahmen aus dem Odenwald sowie Fotos von besonderen Lichtphänomenen: Ein Traktor auf einem Zwiebelacker in den Nusswiesen, der im Sonnenuntergang mit dem Boden verschmilzt; durchleuchtete Gerste auf dem Feld; ein vom Saharastaub gelb gefärbter Sonnenball; Nebel am Auerbacher Schloss. Ein Makroobjektiv setzt kleine Details groß ins Bild, so den Morgentau auf Weidenkätzchen oder einen kleinen Eiszapfen mit Lufteinschlüssen.

Ein Bonus für einheimische Besucher der Ausstellung sind die zweisprachigen Beschriftungen der Bilder – auf Hochdeutsch und Südhessisch. Teils sind sie getreulich übersetzt, teils aber gibt die Mundart ihre eigenen Kommentare zum Thema. So bei der langen, gekrümmten Wolke im Abendschein, die als „Der Finger Gottes“ bezeichnet ist – der Südhesse fragt zweifelnd: „Orrer doch de Daiwi?“

Zu sehen sind die Fotos bis zum 30. Oktober im Verwalterhaus des Hofguts, geöffnet ist es an Wochenenden und Feiertagen von 13 bis 17 Uhr. Die Bilder können auch erworben werden.

Mario Derras Auseinandersetzung mit dem Rhein

Artikel im Groß Gerauer Echo vom 22.08.2022

Das Hofgut Guntershausen zeigt bis zum 30. Oktober Werke des Gernsheimer Künstlers. Dabei sind die druckgrafischen Techniken sein Lebensthema.

von René Granacher

STOCKSTADT – Mario Derra als künstlerische Institution im Ried muss man nicht mehr vorstellen. Während sein Betätigungsfeld aber sehr breit und oft international angelegt ist, findet man im Hofgut Guntershausen nun bis zum 30. Oktober speziell Arbeiten, die sich mit der Region auseinandersetzen. Natur, Kultur und Geschichte am Rhein spiegeln sich in den Blättern, die eine Zeitspanne von 40 Jahren abdecken.

Das ist noch nicht einmal Derras ganze künstlerische Entwicklung, denn insgesamt kann er auf über 300 Ausstellungen in 50 Jahren zurückblicken, nicht nur in Deutschland. Aber schon in vier Jahrzehnten verändert sich viel: Die Darstellung von Weiden auf der ältesten gezeigten Radierung von 1983 wirkt noch einfach und im Vergleich zu aktuellen Bildern, aus denen Können und Erfahrung eines Meisters seines Fachs sprechen.

In gewisser Weise sind Kopfweiden als typische Kulturbäume der Auenlandschaft eine Klammer über der Werkschau, doch die motivische Breite geht weit darüber hinaus. Schon aus dem Pflanzenreich sieht man neben oft bizarren Bäumen auch lithografierte Sonnenblumen, deren lebensvoller Verfall an Werke van Goghs denken lässt. Der Holzschnitt „Rheineis 1929“ spielt dreifarbig mit der Sonnenspiegelung auf einer gefrorenen Fläche.

Holzschnitt, Radierung, Lithografie: Derra gab in seiner Einführung auch einen Überblick der verschiedenen Verfahren und ihrer Unterschiede. Er kennt die Varianten der Druckgrafik eingehend nicht nur aus eigener langer Tätigkeit, sondern hat auch zu ihrer Geschichte geforscht. So kann er viel erzählen und hat auf jede Frage eine interessante Antwort parat.

Die Beschäftigung mit Peter Schöffer ergab sich fast zwangsläufig. Das wenige, was man über das Leben des Gernsheimer Druckpioniers tatsächlich weiß, hat er mit fiktiven Szenen angereichert zu einer Serie von Holzschnitten, von denen einer auch im Hofgut zu sehen ist. Vertreten ist mit dem Wasserbauer Claus Kröncke auch eine weitere wichtige Person aus der regionalen Geschichte.

Eine Serie von sechs Farbholzschnitten zeigt Technisches: Eindrücke aus einem Trichterwerk des Fretterschen Kieswerks am Altrhein, das schon vor 20 Jahren abgerissen wurde. Gleich daneben geht es in die Welt der Sagen: Siegfried und Kriemhild auf je einem mannshohen Unikat-Holzschnitt, auf braunem Untergrund verbunden mit Symbolhaftem wie der Nibelungenhandschrift und dem Wormser Dom.

Noch mehrfach taucht diese Sage in der Ausstellung auf, nicht zuletzt auch im einzigen ausgestellten Bronzeguss „Hagen am schwarzen Ort“, der die Versenkung des Nibelungenschatzes bei Biebesheim verortet. Dass Derra auch im Bereich der Plastik arbeitet, ist vielen auch durch seine Arbeiten im öffentlichen Raum Groß-Geraus bekannt. Mit Malerei bringt man ihn kaum in Verbindung, obwohl er auch diesem Gebiet viel vorzuweisen hat.

Sein Lebensthema bleiben aber doch die druckgrafischen Techniken, und da schafft er Beeindruckendes. In der Kombination mehrerer Farben, jede separat gedruckt, entstehen Werke von großer Tiefe und starkem Ausdruck. Teilweise sind im Hofgut mehrere Farbvarianten des gleichen Motivs ausgestellt, von denen im Zusammenspiel und Kontrast der Nuancen jede ihre eigene Stimmung und ihr eigenes Leben entwickelt. Zu Recht betont Derra: „Druckgrafiken sind keine Reproduktionen, sondern jedes Blatt ist ein Einzelstück.“

Foto: Robert Heiler

Das Altrheinbad in Stockstadt

Serie vergessene Stätten: Altrheinbad in Stockstadt

Das Stockstädter Freibad hatte mehrere Vorgänger auf dem Fluss. Die Deutsche Turngemeinde eröffnete 1927 ein 15 000 Reichsmark teures Badeschiff. Es war nur 15 Jahre in Betrieb.

Artikel im Groß Gerauer Echo vom 2.8.2022 (von Marion Menrath)

STOCKSTADT – Das beliebte Stockstädter Freibad wurde 1964 eröffnet und steuert damit langsam auf seinen 60. Geburtstag zu. Der Bau soll damals 1,25 Millionen Mark gekostet haben. Doch es hatte etliche, allerdings nicht so langlebige Vorgänger, die alle am Altrhein angesiedelt waren. Dokumente dazu hat Jörg Hartung gesammelt, der Leiter des Museums der Gemeinde Stockstadt. Ein Schild des Geo-Naturparks Bergstraße-Odenwald erinnert am Altrheinufer am Parkplatz Kühkopf an die Badeanstalten.

Das erste Flussschwimmbad wurde 1760 an der Seine in Paris eröffnet, weiß Hartung. Hamburg hatte bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts 14 solcher Badeschiffe auf öffentlichen Gewässern, die durch die Strömung frisches Wasser bekamen. Damals hatten die allermeisten Menschen kein eigenes Bad zur Verfügung.

In Stockstadt finden sich erste Hinweise auf ein Badehaus im Altrhein in einer Rechnung aus dem Jahr 1859. Der Ort ist unbekannt. Das erste öffentliche Bad im Altrhein hat Zimmermeister Michael Kabey 1869 eröffnet. Gleichzeitig wurde die Riedbahn in Betrieb genommen, sodass auch Kundschaft aus Darmstadt kam. Laut Kirchenbuch von 1874 „stellten sich an manchen Tagen gegen 100 Badegäste ein, um in des Rheins grünen Fluten Erquickung zu finden“. Ab 1879 gab es extra Badezüge auf der Riedbahn mit einer Bedarfshaltestelle am „Katzloch“ in Stockstadt.

Das Hofgut Guntershausen unterhielt ein eigenes Bad, das Freiherr Cornelius Wilhelm von Heyl zu Herrnsheim und seinen Freunden vorbehalten war. Das Badehaus am Ufer des Kühkopfs soll laut Dokumenten von 1895 7,50 Meter lang und 4,80 Meter breit gewesen sein.

Das nächste öffentliche Bad führte der Stockstädter Georg Mölbert, der dafür 1893 die Genehmigung bekam. Die Badeanstalt etwas flussabwärts an der „Gipsmühle“ soll bis etwa 1917 in Betrieb gewesen sein. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs schränkte den Betrieb drastisch ein, bis das morsche Badeschiff 1920 abgebaut wurde.

Umfangreiche Dokumente gibt es über den Nachfolger der Deutschen Turngemeinde Stockstadt. Ältere Stockstädter erinnern sich daran. Am 9. Juli 1927 wurde das teilweise über Kredite finanzierte, 15 000 Reichsmark teure neue Badeschiff eröffnet. Die Arbeiten wurden an heimische Unternehmen vergeben. Es lag etwa 50 Meter vor der Modaumündung am Ufer, vor dem heutigen Parkplatz an der Altrheinbrücke und war über einen Laufsteg zu erreichen. Auf 16 eisernen Schwimmkörpern ruhte der 26 Meter lange und 10,40 Meter breite Viereckbau aus Holz, der zur Stirnseite hin mit einem vier Meter hohen Sonnendeckteil abgeschlossen war. In ihm waren Umkleidekabinen sowie drei Räume für Bademeister- und Kasse untergebracht, schreibt Hartung.

Der Innenraum beherbergte das 120 Quadratmeter große Becken, das 20 Meter lang und sechs Meter breit war. Es war in einen sieben Meter langen Nichtschwimmer- und einen 13 Meter langen Schwimmerbereich unterteilt. Um den Rand verlief ein 52 Meter langer und 1,30 Meter breiter Badesteg. Auf einer Seite verfügte er über eine 20 Meter lange Sitzbank. „Als Extras waren zwei separate Einzelbäder eingebaut“, so Hartung. Das Sonnendeck in 3,10 Meter Höhe diente als Liegeplatz. Zur Flussseite habe es ein Sprungbrett gegeben.

Das Bad war allerdings nur 15 Jahre in Betrieb, der Unterhalt teuer. Das Fichtenholz hielt dem Wasser nicht stand. Die Einnahmen von 600 Reichsmarkt reichten nicht aus, die jährlichen Kosten zu decken. 1937 übernahm die Gemeinde die Badeanstalt samt Restschulden. Nach dem Zweiten Weltkrieg war kein Geld für Reparaturen da. Anfang der 50er Jahre wurde das Badeschiff an der „Gipsmühle“ demontiert. Im Museum der Gemeinde, im Verwalterhaus des Hofguts Guntershausen auf dem Kühkopf, erinnert ein von Jörg Hartung gefertigtes Modell an die frühere Stockstädter Badeanstalt.

DIE SERIE

In einer kleinen Serie blicken wir auf verschwundene, historisch oder touristisch interessante Stätten im Südkreis Groß-Gerau. (mam)


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Schau „Lebensbilder“ im Hofgut Guntershausen in Stockstadt

Groß Gerauer Echo vom 30.5.2022

Die Oppenheimer Künstlerin Waltraud Vosniak stellt ihre Werke im Verwalterhaus des Hofguts Guntershausen aus. Dort war sie bereits mehrfach zu Gast.

Von René Granacher

STOCKSTADT – Die Oppenheimer Künstlerin Waltraud Vosniak ist schon mehrmals im Verwalterhaus des Hofguts Guntershausen zu Gast gewesen: 2018 mit einer Einzelausstellung, 2020 als Teil des Künstlerkreises Nierstein – und nun erneut. Die am Freitagabend eröffnete Kunstausstellung alter und neuer Werke mit dem Titel „Lebensbilder“ ist wegen der Pandemie nun die erste, die seit fast zwei Jahren wieder möglich ist, betonte Claudia Blum-Borell in ihrer Einführung von Seiten des Hofgut-Fördervereins.

Vosniak erprobt verschiedene zeichnerische und malerische Techniken, arbeitet mit Tusche, Aquarell- oder Acrylfarben. Manchmal baut sie auch Frottage-Effekte ein, also das Durchreiben von Oberflächenstrukturen. Das bewährt sich vor allem, wenn die Frottage-Teile wie beim Bild „Touch – Wachstum in rot“ in einen kompositorischen Zusammenhang mit den übrigen Bildelementen treten.

Die Malerin ist bestrebt, etwa Personen mit zahlreich eingebauten Symbolen und Verweisen eine weitere Bedeutungsebene zu geben. In der Porträtmalerei hat das eine lange Tradition, wenn auch oft subtiler ausgeführt als durch das bloße Umgeben einer Person mit Gegenständen, wie hier bei „Portrait Freund“. In der Darstellung von Menschen wird oft auch deutlich, dass eine lebendige Mimik jenseits des Schematischen keineswegs leicht zu meistern ist. In der Zeichnung wirkt die Reduktion auf das Wesentliche und die richtige Linie oft besser als ein Zuviel – gelungen ist da etwa das Aquarell „Das Leben ist bunt/Frauenkopf“ mit einem Ausbruch gedeckter Farben an einer schön stilisierten weiblichen Figur.

Farben sind das Herz der Malerei und im Einsatz ebenso reich an Möglichkeiten wie an Fallstricken. Gerade mit Wasserfarben ergibt sich leicht eine unschöne Fleckigkeit, aus der wahllosen Kombination vieler Farbtöne auch der Eindruck einer bloßen Buntheit. Dass weniger dagegen mehr sein kann, zeigt etwa das Acrylbild „weiße Amaryllis, blaugrundig“, bei dem die Palette auf Weiß, Grün und das Graublau des Hintergrundes reduziert ist.

Es ergibt sich dabei auch eine grafische Wirkung, die ähnlich in zwei Tulpenbildern auftaucht. Ebenso kann der „Gastfreund“ mit der Konzentration auf Blau- und Sandtöne farblich überzeugen. Zum großformatigen Bild „Wächter der Nacht“, ebenfalls in Acryl, erläuterte Vosniak, dass sich aus der Darstellung einer Eule als Ausgangspunkt ein Waldbild entwickelt habe, in dem flüchtende Tiere und Menschen aktuelle Bezüge darstellen. Die Elemente ließen sich freilich kompositorisch oder mithilfe malerischer Mittel wie Licht und Perspektive noch überzeugender verbinden.

Bis zum 14. August ist die Ausstellung im Obergeschoss des Verwalterhauses auf dem Kühkopf zu sehen, geöffnet ist an Wochenenden und Feiertagen von 13 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei, um eine Spende für den Förderverein wird gebeten.

Hofgut Guntershausen beendet Winterpause

Artikel im Groß Gerauer Echo vom 12.2.2022

Stockstadt: Hofgut Guntershausen beendet Winterpause

Ab dem 5. März wird im Verwalterhaus auf dem Kühkopf bis zum 22. Mai auf historischen Fotos das Leben vor 80 Jahren gezeigt.

von René Granacher


STOCKSTADT – Viel Neues gibt es im Hofgut Guntershausen zu erleben, wenn das Verwalterhaus auf dem Kühkopf am 5. März seine Winterpause beendet. Historische Fotos bieten einige Monate lang interessante Einblicke in das Leben vor 80 Jahren, auch die Dauerausstellung ist wesentlich erweitert: Ein ganzes Stockwerk voller Exponate wird erstmals für Besucher zugänglich. Für den Förderverein freut sich Jörg Hartung auf die Eröffnung und blickt auf die Arbeit zurück, die dafür nötig war.

Dass die Sammlung alter Aufnahmen auf den Kühkopf kam, so erzählt er, ist glücklichen Umständen zu verdanken. Dr. Philipp Zeiger kam 1922 als Lehrer nach Darmstadt, ab 1929 war er Direktor der Städtischen Höheren Handelsschule. Als Paddler auf dem Altrhein unterwegs, hatte er die Idee zu einem Buch, um die Gegend Ausflüglern vorzustellen. Dafür schoss er hochwertige Fotos unter anderem von Menschen, die damals rund um den Kühkopf arbeiteten.

Infolge des Krieges wurde das Buch nie veröffentlicht, aber Manuskript und Bilder blieben erhalten. Dr. Zeiger starb 1974, im vergangenen Jahr trat sein Enkel Günter mit dem kleinen Schatz an den Förderverein heran. Eine Auswahl der 41 interessantesten Fotos ist nun vom 5. März bis zum 22. Mai im Obergeschoss des Hauses zu sehen und bietet Einblicke in das harte Leben „von Fischern, Fährmännern und Schilfrohrschneidern“ (so der Titel) um das Jahr 1940.

Die Feldarbeit mit Ochsen und Pferden ist schön zu sehen, die Ernte von Kartoffeln und Schilfrohr, Feldbrandöfen und Altrheinfähren. Historische Ansichten von Stockstadt und Erfelden sind zu entdecken, eine Badeanstalt im Altrhein, die Forsthäuser im heutigen Naturschutzgebiet. Vor allem aber erwachen die Menschen zum Leben: der Stockstädter Fährmann Herman Gräf, die Schäfer, Bauern und Altrheinfischer aus Erfelden. Ältere Besucher werden manche der Abgebildeten noch identifizieren können.

Ins nächste Jahr verschoben wurde die geplante Kunstausstellung des Stockstädter Malers Hans Pehle: Hier wären schon zur Vernissage absehbar weit mehr Gäste gekommen, als derzeit zulässig sind. Dafür wird das verlagerte Stockstädter Heimatmuseum eröffnet und präsentiert im Dachgeschoss des Verwalterhauses viele Exponate, die einst im ehemaligen Schulhaus in der Ortsmitte untergebracht waren.

Jetzt sind die historischen Stücke nicht nur großzügiger arrangiert und neu beschriftet, erzählt Hartung, sondern auch nach den Vorgaben des Hessischen Museumsverbandes beschrieben, vermessen und katalogisiert. Dafür hat vor allem Walter Mück unzählige Arbeitsstunden investiert, während Martin Rödl vieles restauriert und Vitrinen dafür gebaut hat.

Auch der Raum selbst ist nach der aufwendigen Renovierung durch den Förderverein sehenswert. Und passender Hintergrund für Relikte aus dem dörflichen Leben von einst: Haushaltsgeräte wie Buttermaschinen und Honigschleuder, Spinnrad und Kohleofen, alte Keramik, aber auch Zeugnisse der bäuerlichen Tätigkeit wie Feldgeräte oder einen mechanischen Geburtshelfer für Kühe.

Spektakuläre Bodenfunde aus dem früheren Museum sind wiederzufinden, wie ein gewaltiger Bisonschädel oder der Backenzahn eines Mammuts, auch das einstige Zifferblatt der Kirchturmuhr. Nach jahrelanger Pause bekommt Stockstadt nun wieder einen Platz für die Ortsgeschichte, der besser organisiert ist als je zuvor.

Groß-Gerauer Echo vom 31.3.2021: „Historischer Stimmzettel in Stockstädter Akten“

Beim Archivieren von Bauanträgen wird in Stockstadt das Dokument aus dem Jahr 1934 entdeckt. Darauf votierte jemand für Adolf Hitler als Staatsoberhaupt des Deutschen Reichs.

Von René Granacher

STOCKSTADT – Ein unverhoffter Fund ergab sich bei der Sichtung und Archivierung historischer Bauanträge aus dem Bestand des Stockstädter Gemeindearchivs. Martin Rödl, der im Museum der Gemeinde die alten Dokumente aufbereitet, entdeckte dabei einen Stimmzettel aus dem Jahre 1934, der in dunkle Zeiten zurückführt – zum erfolgreichen Griff der Nationalsozialisten nach der Macht in Deutschland.

Wie Museumsleiter Jörg Hartung mitteilt, wurde die Rückseite des ausgefüllten Stimmzettels nach der Wahl offensichtlich von einem damaligen Gemeindemitarbeiter als Notizzettel verwendet, kam so zu den Akten und hat dort unbemerkt mehr als acht Jahrzehnte überdauert. Es handelt sich um einen Stimmzettel zu der Volksabstimmung am 19. August 1934 über das Staatsoberhaupt des Deutschen Reichs, erklärt Hartung.

Adolf Hitler ließ sich mit dieser Abstimmung die Zusammenlegung der Ämter des Reichskanzlers und des Reichspräsidenten auf seine Person als „Führer und Reichskanzler“ bestätigen. Die Abstimmung ergab eine deutliche Zustimmung, die dennoch hinter den Erwartungen der Machthaber zurückblieb: Mit Ja stimmten 89,93 Prozent, mit Nein 10,07 Prozent, bei einer Wahlbeteiligung von 95,65 Prozent. Auch auf dem Stockstädter Stimmzettel ist ein „Ja“ zu erkennen.

Hintergrund der Abstimmung war, dass Hitler am 1. August 1934, einen Tag vor dem Tod des greisen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg, die Grundlage für die Vereinigung der beiden Ämter geschaffen hatte. Dieses „Gesetz über das Staatsoberhaupt des Deutschen Reichs“ trat mit Hindenburgs Tod in Kraft. Somit gab es nach der letzten demokratischen Reichspräsidentenwahl von 1932 keine Neuwahl mehr, sondern das Volk sollte nachträglich per Volksentscheid abstimmen.

Die Frage auf dem Stimmzettel lautet: „Das Amt des Reichspräsidenten wird mit dem des Reichskanzlers vereinigt. Infolgedessen gehen die bisherigen Befugnisse des Reichspräsidenten auf den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler über. (…) Stimmst Du, deutscher Mann, und Du, deutsche Frau, der in diesem Gesetz getroffenen Regelung zu?“

Auf die Amtsbezeichnung „Reichspräsident“ verzichtete Hitler, weil, wie er schrieb, diese „unzertrennlich verbunden mit dem Namen des großen Toten“ sei. Damit wurde diese Position abgeschafft und Hitler übernahm durch die Volksabstimmung 1934 die oberste militärische Kommandogewalt, die nach der Verfassung der Weimarer Republik mit dem Amt des Reichspräsidenten verbunden war.

Groß Gerauer Echo vom 2.9.2020 „Erst Fotos, dann Gemälde“

Der Darmstädter Maler Volker Lehn stellt seine Kühkopf-Aquarelle im Hofgut Guntershausen aus.

Von René Granacher

STOCKSTADT – Wer pensioniert ist, hat mehr Zeit: Zum Malen, zum Fotografieren, zum Spazierengehen mit dem Hund. Volker Lehn aus Darmstadt hat die drei Hobbys verbunden, indem er beim Spaziergang auf dem Kühkopf Naturmotive fotografiert und sie anschließend zu Aquarellbildern verarbeitet. Gemälde nach Fotos, das könnte langweilig aussehen – tut es in diesem Fall aber nicht. Wie seit dem Wochenende im Hofgut Guntershausen zu sehen ist, verleiht Lehn seinen Bildern ein ganz eigenes Leben.

Sind die 2017 und 2018 entstandenen Werke noch recht konventionell, so hat sich der Maler seit dem letzten Jahr mehr von der Vorlage gelöst. Er reichert die Bilder nun mit Farben und Strukturen an, die in der Natur so nicht zu sehen waren, den Motiven aber eine zusätzliche Dimension verleihen. Das können ornamentale Elemente sein wie bei der „Fantasieweide“, Farbreflexe, oft organische Oberflächen, die etwa Bäumen zu einer neuen Art von Lebendigkeit verhelfen.

Wenn auf dem „Apfellehrpfad“ dann Apfelbäume im Gegenlicht stehen, könnten es ebenso gut fremde Lebensformen sein, die ihre Tentakel ausstrecken; der Baum in „Weide und Schute“ scheint unter seiner fleckigen Haut jeden Moment die Muskeln anspannen und loskriechen zu wollen. In „Allee der starken Bäume“ bekommt die bekannte Kastanienallee durch eine wirkungsvolle Farbzusammenstellung eine besondere Räumlichkeit.

Funktionieren kann dies alles nur, weil Lehn über ein gutes Gespür für Farben und Formen verfügt, das Licht geschickt zu setzen weiß. So bleiben seine wie bei den „Blauen Kopfweiden“ zuweilen ins Expressionistische weisenden Bilder trotz der Verfremdungen glaubhaft und „echt“, ergeben sich stimmige Kompositionen und Stimmungen. Viele Bilder wirken am besten mit einem gewissen Abstand: Dann ergibt sich wie beim „Blick zum Altrhein“ ein fast fotorealistischer Eindruck aus leicht verschwommenem Hintergrund und detailreichem Hauptmotiv.

Der Einfall, die Natur des Kühkopfs als Motiv zu wählen, kam ihm in einer Ausstellung in Seeheim, berichtet Lehn. Dort war ein Bild des Malers Bruno Müller-Linow vertreten, das eine Kühkopf-Ansicht darstellt. Seitdem geht der ehemalige Verwaltungswirt und Lehrer hier spazieren und fotografieren, gemalt wird aber erst zuhause: Im Atelier ist es einfacher als „plein air“.

Für den Förderverein des Hofguts führte Claudia Blum-Borell in die Ausstellung ein. Sie hob hervor, dass viele markante Bäume und Orte auf den Bildern wiederzuerkennen sind, wenn man mit dem Kühkopf vertraut ist: „Das gibt es wirklich, das sind keine fiktiven Bäume.“ Da die Galerie im Verwalterhaus Corona-bedingt einige Monate geschlossen war, begann Lehns sehenswerte Ausstellung später als ursprünglich geplant und wird für dieses Jahr auch schon die letzte an diesem Ort sein.

Das Verwalterhaus auf dem Kühkopf ist an jedem Wochenende von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.


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Groß-Gerauer Echo vom 2.3.2020: Naturlebnisse in allen Variationen…

Naturerlebnisse in allen Variationen auf dem Kühkopf

Zehn Mitglieder des Künstlerkreises Nierstein zeigen ihre Werke im Hofgut Guntershausen. Die Ausstellung ist bis 24. Mai zu sehen.

von René Granacher

STOCKSTADT – Ein breites Spektrum verschiedener Stilarten ist in der neuen Kunstausstellung im Verwalterhaus des Hofguts Guntershausen zu erleben. Die Gruppenausstellung wird vom Künstlerkreis Nierstein gestaltet und steht unter dem mehrdeutigen Motto „Natürlich Kunst“. Auf unterschiedliche Weise haben sich die zehn Teilnehmer mit der Natur auf dem Kühkopf und anderswo auseinandergesetzt. Am Freitagabend wurden die Ergebnisse bei einer Vernissage der Öffentlichkeit präsentiert, für den Förderverein des Hofguts begrüßte Claudia Blum-Borell die Gäste. Waltraud Vosniak gab eine Einleitung zu den Werken.

Den stärksten Bezug zum Ausstellungsort hat das Bild „Kühkopf Memory“ von Simona Loh. Naturelemente wie Schnecken, Äpfel und Blätter hat sie zu einem Mandala angeordnet, das wie die meisten Bilder der Ausstellung in Acryl gemalt ist. Eine Kühkopf-Landschaft ist bei Loh unter dem Titel „Zeitlos“ als schmerzhafte Kombination von Pink und Rot dargestellt.

Eine „Pusteblume“ mit davonfliegenden Samen zeigt Nicole Mähn – die Leichtigkeit der Natur sah Vosniak darin ausgedrückt. Einen „Pink Flamingo“ hat Mähn vor einen violetten Hintergrund gestellt. Exotische Tiere hat sich auch Katja Mähn zum Motiv gewählt: Kolibri, Chamäleon und südamerikanischer Frosch posieren vor dschungelhaftem Dunkelgrün.

Der heimischen Vogelwelt hat sich dagegen Luise Gremme gewidmet. Besonders schön ist das Bild „Vogelflug“ mit Meisen, Rotkehlchen und anderen beim Kommen, Sitzen und Gehen. Das gespachtelte Gemälde gefällt durch die subtile Farbkomposition wie durch die Verbindung von Naturmotiv und möglicher Interpretation – eine Aufbruchstimmung sah Waltraud Vosniak darin. Auf Gremmes Bild „Flugübung“ sieht man einen Kranich vor intensivem Türkis.

Nicht naturalistisch und auch nicht in Acryl sind die beiden Bilder von Manfred Jochum: „Blues and no End“ und „Sommergärten am Fluss“ sind abstrakte Ölgemälde mit expressionistischen Anklängen. Barbara Dolz hat unter dem Titel „Bambus Duo“ ein zweiteiliges Bild von Bambushalmen in Hell- und Dunkelgrün geschaffen.

Die malerisch wohl interessantesten Werke in der Ausstellung sind zwei Bilder von Dirk Nowak. In detailreicher Zentralperspektive, die den Betrachter in die Bilder hineinzieht zu einer fernen Tür, zeigt er Fantasielandschaften zwischen Surrealismus und magischem Realismus: einen Gorilla zwischen Weinstöcken, ein Krokodil zwischen Wassergräben, jeweils mit Schädeln garniert und durch Lichtkontraste exakt modelliert.

Ohne Farbe kommen die kleinen Bilder von Karin Umbreit aus, für die sie flache Kiesel zu einer Art Mosaikrelief zusammengesetzt hat. Aus Ostseekieseln ist das Ergebnis vielfarbig, aus Rheinkieseln hat sie das Bild „Im Fluss“ aus beigen und grauen Steinen in einer sorgfältigen Anordnung nach Größe und Farbe aufgebaut. Einen starken Kontrast dazu bilden die farbexplosiven abstrakten „Gefühlsausbrüche“ von Angi Adam.

Waltraud Vosniak hat orientalische Urlaubserlebnisse zu Gemälden umgesetzt: Als „Shopping Center“ den reich geschmückten Eingang zu einem Basar mit Personen im Stil der naiven Malerei, als „dahoam is dahoam“ eine Teepause in der Wüste. In ihrer Einführung schilderte sie, wie sich der Künstlerkreis seit seiner Gründung vor 30 Jahren immer wieder verändert, sich gemeinsam festgelegten Themen widmet und wie am Ende individuelle Sichtweisen und Interpretationen spannend nebeneinander stehen.

ÖFFNUNGSZEITEN
Bis zum 24. Mai ist die Ausstellung der Niersteiner Künstler im Hofgut Guntershausen zu sehen. Geöffnet ist das Haus an Wochenenden und Feiertagen von 13 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten. (gra)


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Ried-Echo vom 9.10.2019: Zwei Gedenksteine für ein Ereignis

Beim Stockstädter Hofgutnachmittag erinnert Stockstädter Heimatforscher Jörg Hartung an den Rheinübergang Ludwig VIII.

von Hans-Josef Becker

STOCKSTADT – Jörg Hartung brachte die Steine zum Sprechen. „Ludwig der Acht und Fürst zu Hessen, der Gottes Macht wird nie vergessen, ist, wo steht dieser Stein, gegangen übern Rhein den 10n Märtz 1740.“ So lautet die Inschrift auf einem Gedenkstein auf dem Mörschtdamm, dem Landdeich am Stockstädter Sportgelände. Aus dieser Erinnerung an den Übergang des Fürsten über den zugefrorenen Rhein machte der Geschäftsführer des Fördervereins Hofgut Guntershausen eine geschichtliche Betrachtung zu Heimat, Hessen und darüber hinaus.

Die Stockstädter nennen das beschriftete Denkmal „Großer Herrenstein“, wie Hartung beim Hofgutnachmittag auf dem Kühkopf sagte. Dabei sprach er auch über den „Kleinen Herrenstein“, der sich auf der anderen Seite des Altrheins nahe dem Hofgut befindet. Auf dessen Rückseite wird an den Aumann Johann Nicolaus Metz erinnert, der damals eine Art Verwalter auf dem Hofgut war.

Dass man für ein eher belangloses Ereignis zwei Gedenksteine setzte, vermutet der Referent „in der Bewunderung für einen geliebten, aber auch gefürchteten Herrscher, wie es in den Feudalsystemen des 18. Jahrhunderts üblich war“. In der Sprache der Menschen seien Monarchen damals „allerhöchst, höchstpreis- und glorwürdigst“ gewesen. Bar jeder Kontrolle, habe sich auch Ludwig VIII. vor allem Vergnügungen wie der Parforcejagd gewidmet. Sie diente zu Repräsentationszwecken gegenüber Standeskollegen, zerstörte aber auch die Lebensgrundlage der Untertanen.

Jörg Hartung berief sich auf Pfarrer Panzerbieter, der von 1738 bis 1774 in Stockstadt tätig war, und die ernste Situation der Stockstädter beschrieben habe: strenger Winter, Hochwasser und damit verbundene Not. Der Winter 1740 sei als Jahrhundertwinter so kalt gewesen, dass sogar Wagen über den Rhein fuhren. Etwa 300 Meter breit war damals der Fluss; Altrhein und Neurhein entstanden erst mit dem Rheindurchstich 1829.

Neben den Herrensteinen in Stockstadt steht der Kaiserstein in Bickenbach in Verbindung mit Ludwig VIII. Der Landgraf ließ ihn im Andenken an eine Jagd setzten, die er dort für den Kaiser Franz I. ausgerichtet hatte. Hartung unterstrich seine Ausführungen mit vielen Bildern und den Lebensläufen seiner Protagonisten. Dazu zählten Ludwigs Gemahlin Charlotte und Kaiserin Maria Theresia, die Ludwig als ihren treuesten Freund und Vasall bezeichnete. Sie hat der hoch verschuldeten Landgrafschaft den Landesbankrott erspart. Dankbar schenkte Ludwig der Österreicherin eine Uhr im Wert von 80 000 Gulden, während er ganze neun Gulden für die durch die Not leidende Stockstädter Bevölkerung übrig hatte.

Jörg Hartung berichtete auch von der Renovierung der Steine im Jahr 1840. Dekan Stamm habe die Feiern nach getaner Arbeit als „Volksfest zur Bezeugung der treue Liebe und Anhänglichkeit an das angestammte Fürstenhaus“ bezeichnet. Der geladene Ur-Urenkel des Landgrafen Ludwig VIII., der spätere Großherzog Ludwig III, konnte wegen „Unwohlsein“ nicht an dem Festakt teilnehmen. Vor dem Fest probten Schulkinder die mit Lehrer Philipp Roßmann einstudierten Gesänge, bevor auf ein Zeichen der Kirchenglocke alle Einwohner am Rathaus zusammenkamen.

Mit großem Volksfest wieder aufgestellt

Der Zug begab sich vom Rathaus zum Herrenstein, wo das Lied „Heil unserm Fürsten, heil“ angestimmt wurde. Der Stockstädter Bürgermeister Köpplinger rief aus: „Möchten unsere Nachkommen nach hundert Jahren noch immer von der gleichen Liebe und Treue für ihr Fürstenhaus beseelt sein!“

Auch wenn der letzte männliche Vertreter des Hauses Hessen-Darmstadt, Prinz Ludwig von Hessen und bei Rhein, der bereits 1968 gestorben ist, halten „die zu Demokraten gewordenen Stockstädter“ die Tradition aufrecht: Heimatforscher Erich Ellermann restaurierte den großen Herrenstein, der mit einem Volksfest am 13. Juni 1986 wieder aufgestellt wurde.


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