Führung durchs Hofgut Guntershausen: Pläne für kulturhistorisches Zentrum

Ralph Baumgärtel (rechts) führte Anfang der Woche eine Besuchergruppe, zu der auch Landrat Thomas Will (Mitte) gehörte, durchs Umweltbildungszentrum auf dem Kühkopf. Außerdem erhielten die Gäste im Hofgut Guntershausen Informationen zum geplanten Ausbau des Südflügels und zur künftigen Gastronomie. Foto: Kreisverwaltung

Beitrag auf der Homepage des Kreises Groß-Gerau vom 29. März 2017

KREIS GROSS-GERAU – Landrat Thomas Will brachte es beim Ortstermin auf den Punkt: „Es steht noch sehr, sehr viel an, wofür auch noch viele Partner gebraucht werden.“ Das sagte er bei der Begrüßung der Runde, die auf Einladung des Fördervereins Hofgut Guntershausen auf dem Kühkopf zusammengekommen war. Dort führten Volker Blum, Jörg Hartung und Ralph Baumgärtel vom Verein unter anderem eine Besuchergruppe der Firma Merck durch die bereits sanierten Räume des Hofguts, aber auch in den Südflügel, der noch des weiteren Ausbaus harrt.

Land, Kreis Groß-Gerau, Gemeinde Stockstadt und der Förderverein ziehen seit Jahren an einem Strang, um das in Hessens größtem Naturschutzgebiet gelegene Hofgut zu erhalten und der sensiblen Umgebung angepasst zu beleben. Für die derzeit jährlich rund 30.000 Besucher – Tendenz steigend – des dort angesiedelten Umweltbildungszentrums (UBZ) soll es daher ab der Woche vor Ostern zumindest an den Wochenenden auch eine gastronomische Grundversorgung geben.
Unabhängig von diesem Essensstand ist für die nahe Zukunft (ab dem Jahr 2018 oder 2019) eine Gaststätte im alten Schafstall des Hofguts geplant.

Das historische Gebäudeensemble Hofgut Guntershausen ist Eigentum des Landes Hessen. Im Nordflügel befindet sich seit 2014 das UBZ, dessen Leiter Ralph Baumgärtel vom UBZ-Betreiber Hessen-Forst ist. Das ehemalige Verwalterhaus und der Südflügel mit dem historischen Pferdestall sind dem Förderverein Hofgut Guntershausen übertragen, der darin ein Museum und eine Galerie unterhält. Diese sollen in Verbindung mit den zu sanierenden Räumen des Südflügels zum kulturhistorischen Zentrum weiterentwickelt werden.

Die für die künftige Ausstellung dieses Zentrums vorgesehenen Themen greifen bewusst Ereignisse auf, die in Verbindung mit der Region stehen und darüber hinaus wirken, beschreibt es die Projektskizze. Übergreifender Arbeitstitel ist „Leben mit dem Fluss“. Im Einzelnen kann es um die Geschichte des Hofguts genauso gehen wie um den ehemaligen Stockstädter Rheinhafen, das Baden im Rhein, Wasser oder auch Energie- und Rohstoffgewinnung im Fluss.

Das Hofgut ist ein Lern-, Erlebnis und Begegnungsort und wird dies künftig noch verstärkt sein: sei es für Schulklassen oder Vereine, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Betrieben und Behörden oder Künstlerinnen und Künstler. Der Zugang zu Verwaltergebäude und Südflügel soll behindertengerecht werden.

Während für den Ausbau des Südflügels noch Sponsoren gesucht werden, geht es im Umweltbildungszentrum im Nordflügel des Hofguts bald schon weiter: Im dortigen Obergeschoss wird ab Mai die Ausstellung „Geschichte im Fluss“ eingerichtet; Eröffnung soll im August sein. Darin geht es zum Beispiel darum, welche Bedeutung der Rheindurchstich im 19. Jahrhundert hatte – eine wasserbauliche Tat mit vielfältigen Folgen. Auch sollen die Menschen, die am Rhein lebten, in der Schau zu Wort kommen. Unterm Dach des Gebäudes schließlich geht es in Zukunft um „Speicherwelten“: der Kühkopf als Geschichts-, Arten- und Wasserspeicher.

Ried Echo vom 24. März 2017: „Jörg Hartung zeigt auf dem Hofgut unveröffentlichtes Filmmaterial“

Von René Granacher

STOCKSTADT – Im Hofgut Guntershausen wurden viele Erinnerungen wach. Jörg Hartung hatte zu einem Filmnachmittag mit Material eingeladen, das zum großen Teil noch nie öffentlich gezeigt wurde. Der älteste Film im Programm stammte aus dem Jahr 1952 und verdankt seine Existenz der Firma Nold: Der Metallverarbeiter, über Jahrzehnte wichtigster Arbeitgeber im Ort, ließ damals einen Betriebsausflug nach Neustadt/Weinstraße im Film festhalten – ohne Ton und schwarz-weiß.

War von Stockstadt selbst in diesem Streifen nichts zu sehen, so erkannte doch mancher Besucher im mehr als vollbesetzten Vortragsraum Personen wieder, die da im Dampfzug unterwegs waren – fein herausgeputzt, wie man es damals noch tat für ein solch besonderes Ereignis. Gedreht wurden die Aufnahmen auf 16-Millimeter-Film, also für die damalige Zeit sehr professionellem Material. Hans Kanow, Schwiegersohn des damaligen Nold-Inhabers, hat mit dem Filmclub Lorsch das alte Zelluloid gerettet und in ein modernes Format überführt, sodass er es nun im Hofgut abspielen konnte.

Gut 40 Jahre später entstand unter dem Titel „Variationen in Lochblech“ ein moderner Werbefilm für das damals noch bestehende Unternehmen. Nicht den gelochten Blechen in Brunnen oder Geschirrspülern aber galt beim Betrachten am Sonntag das Interesse, sondern wiederum den Mitarbeitern. Von den eingesessenen Stockstädtern kennt jeder ehemalige „Noldler“.

Vor allem gesellige Ereignisse gefilmt

Von ganz anderer Art war ein Film, der sich 1982 und 1983 dem Leben im Ort widmete. Als „Dokument für die Nachwelt“ sollte das Geschehen in Stockstadt festgehalten werden, sagte im Film der damalige Bürgermeister Wilhelm Wenner: „Stockstadt, die Stadt am Rhein“ war das Ergebnis selbstbewusst betitelt. Es begann mit einer Sitzung der Gemeindevertretung, die eine Reparatur von Hochwasserschäden am Rheindeich beschloss.

Verbunden durch Aufnahmen einer Kutschfahrt durch den Ort, folgte eine Vielzahl von Impressionen: Landwirtschaft und Hochwasser, die Arbeitgeber Nold und Pfeffer, Sportarten wie Tischtennis, Basketball und Fußball. Der Kindergarten wurde vorgeführt („133 Kinder in fünf Gruppen“), und viel Raum nahmen Geselligkeiten ein: das Wingertsgässer Fest, die Kerb. Mal spielte die Feuerwehrmusik, mal sangen die „Stockstädter Hofsänger“ des Carnevalvereins. Beim Besuch des damaligen Neubaugebiets im Rheinfeld erfuhr man, dass nur die Zugezogenen Probleme mit Schnaken hätten. Wieder viele bekannte Gesichter: Die Künstler Franz Jahn und Ludwig Bau hatten ihre Auftritte, Pfarrer Karl-Heinz Horlebein war zu sehen. Gedreht hatte den Film Ludwig Schneider, im Ort damals bekannt als Bulldog-Schneider. Er hatte auch einen weiteren Film angefertigt, der sich dem Kühkopf widmete. Neben Naturaufnahmen ging es um Sportangler und eine Obstversteigerung, auch der Pächter des inzwischen geschlossenen Restaurants im Forsthaus kam zu Wort: Er beklagte, dass seit der Aussperrung des Autoverkehrs vom Kühkopf nur noch am Wochenende Betrieb sei.

Zum Abschluss ging es noch einmal in die Firma Nold, zur „Weihnachts- und Altenfeier“ 1988 mit großem Essen und Quizspiel. Auch die Nachkommen der Nold-Familie waren zu dem gut besuchten Filmnachmittag ins Hofgut gekommen. Da die Plätze diesmal gar nicht ausreichten für alle Interessenten, stellte Jörg Hartung einen weiteren Filmabend im Herbst in Aussicht.


Den Artikel im PDF-Format finden Sie in unserem Pressearchiv

Ried Echo vom 23. März 2017: „Innere und äußere Räume“

Ried Echo vom 23. März 2017

„Innere und äußere Räume“ ist der Titel einer Ausstellung im Hofgut Guntershausen mit Bildern von Birgit Huck

 

Von René Granacher

STOCKSTADT – „Innere und äußere Räume“ ist die Ausstellung von Birgit Huck betitelt, die derzeit im Hofgut Guntershausen zu sehen ist. Die Darmstädter Künstlerin zeigt meist Orte, manchmal mit angedeuteten Personen und fast immer mit einer reduzierten Palette von Blau sowie grauen bis schwarzen Tönen. Landschaften und Gebäude sind oft gegenständlich dargestellt, zuweilen auch mehr oder weniger abstrahiert. Auf einzelnen Bildern arbeitet die Malerin mit eingeklebten Strukturelementen oder getrockneten Farbresten.

Motive aus Prag und den USA

Aus Dortmund stammend, studierte Huck Malerei und Zeichnen an der Gesamthochschule Kassel. Im Hauptberuf ist sie Lehrerin für Mathematik und Kunst. In ihren Bildern hat sie etwa Motive aus Prag oder den USA verarbeitet, auch wenn diese konkreten Orte in den Bildern nicht mehr erkennbar sind. Sie wurden aus einer Fotovorlage „mit Emotion und Fantasie in ein Bild überführt“, sagte Roland Held, der bei der Vernissage in die Ausstellung einführte.

Vielfach sieht man Innenräume mit viel Dunkelheit, in die blaues Licht einfällt. Durch dunkle Wände mit erleuchteten Öffnungen ergeben sich starke Kontraste von hell und dunkel. Verwaschene Silhouetten erzeugen den Eindruck zufälliger Szenen in Straßen und Passagen. Dies seien Innenräume „gemäß der Lebenswelt unserer zeitgenössischen, mobil geprägten Konsum- und Massengesellschaft“, befand Held.

Bei den Landschaften fließen mal bei Küstenmotiven die Blautöne von Wasser und Himmel in eins zusammen, ein anderes Mal ist es das Grau von Boden und Wolken. In Bildern mit stärkeren Farbakzenten sind expressionistische Ansätze zu erkennen. Ortschaften finden sich durch farbige Einsprengsel angedeutet, auch in den abstrakt angelegten Bildern kontrastieren unruhig bunte Elemente mit dem Dunkel oder Farbflächen im Hintergrund. Den stärksten Ausdruck haben allerdings einige „California“-Bilder, die auf kleinteilige Buntheit verzichten und stattdessen klare, eigentümliche Farbstimmungen aus pastelligen Blau- und Brauntönen aufbauen. Farbe steht im Mittelpunkt: „Birgit Huck grundiert, schichtet, korrigiert, collagiert mit Farbe, sie setzt hier auf klare Kontraste, dort auf zart irisierende Mischungen oder stufenlose Übergänge“, sagte Held. Formen werden nicht durch Konturen erkennbar, sondern durch Farbabstufungen.

Die Ausstellung von Birgit Huck ist bis zum 7. Mai im Verwalterhaus des Hofguts zu sehen. Geöffnet ist das Haus an Wochenenden und Feiertagen von 13 bis 17 Uhr.


Den Artikel im PDF-Format finden Sie in unserem Pressearchiv

Birgit Huck „Innere und äußere Räume“ Vernissage am 10. März 2017

Herzliche Einladung zur ersten Vernissage in 2017:

„Innere und äußere Räume“, so lautet der Titel der neuen Kunstausstellung im Hofgut Guntershausen/Kühkopf in Stockstadt am Rhein. Zur am Freitag 10. März 2017 um 18 Uhr stattfindenden Vernissage lädt der Förderverein Hofgut Guntershausen recht herzlich ein.
Die Bilder der in Darmstadt lebenden Malerin Birgit Huck bewegen sich zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit. Sie sind Erinnerungen an Menschen und Orte, oder auch mysteriöse Großstadtpassagen. Fein nuancierte Verwischungen und kraftvolle Farb-Reliefs wecken Assoziationen an Küsten- oder Stadtlandschaften, voller Widersprüchlichkeit und oft auch Melancholie.

Die Ausstellung ist bis zum 07. Mai im Verwaltungshaus des Hofguts jeweils an Wochenenden und Feiertagen von 13 -17 Uhr zu sehen.

Den Flyer zur Einladung finden Sie hier…

Zurück zu Aktuelles
Siehe auch Ausstellungen

Förderverein Hofgut Guntershausen auf der Buchmesse im Ried 11.+12. März

Regionalgeschichtliches auf der Buchmesse im Ried

Das Museum im Hofgut Guntershausen wird auch in diesem Jahr wieder mit einem Messestand auf der Buchmesse am 11. und 12. März 2017 in der Stockstädter Altrheinhalle vertreten sein. Dort können sich Besucher am Messestand über die aktuellen Entwicklungen auf dem Hofgut informieren, ein breites Angebot an heimatgeschichtlicher Literatur und Info-Broschüren zum Kühkopf werden ebenfalls bereitgehalten. Es besteht auch die Möglichkeit zum Erwerb und zur Einsicht in das Familienbuch Stockstadt am Rhein 1643 – 1900.

Außerdem wird Jörg Hartung am Sonntag den 12. März um 15 Uhr im Kulturraum der Altrheinhalle gleich zwei neue regionalgeschichtliche Dokumentationen vorstellen.

„Der Kühkopf – Jagdgebiet des Hochadels“ beschäftigt sich mit der interessanten Vergangenheit des heutigen Naturschutzgebietes als Jagdparadies des Adels. Unmittelbar vor dem I. Weltkrieg hatte der Freiherr von Heyl auf dem Kühkopf ein Jagdparadies geschaffen, das auch nach den Begriffen der damaligen Zeit in Deutschland Seltenheitswert hatte. Der Freiherr empfing dort regelmäßig Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und Prinz Heinrich von Preußen zu großen Gesellschaftsjagden. Auch König Wilhelm II von Württemberg und sogar Zar Nikolaus II von Russland wurden als Jagdgäste auf der Rheininsel begrüßt. Der I. Weltkrieg setzte schließlich dieser bisher auf dem Kühkopf betriebenen Wildhege und Jagd großen Stils ein jähes Ende. Die neue Veröffentlichung von Jörg Hartung beschäftigt sich mit dieser interessanten Epoche der Kühkopfgeschichte.

„Anno 1794 – Stockstadt am Rhein und das Amt Dornberg“ heißt die weitere Dokumentation, die von Jörg Hartung auf der Buchmesse vorgestellt wird. In der vom Förderverein Hofgut Guntershausen herausgegebenen Veröffentlichung wird auf die Entwicklungen, wirtschaftlichen Verhältnisse und Lebensumstände in Stockstadt am Rhein und dem früheren Amt Dornberg eingegangen, wie sie im Jahre 1794 herrschten.

Zurück zu Aktuelles

Stockstädter Filmnachmittag im Hofgut Guntershausen am 19. März

Am Sonntag den 19. März 2017 um 15:00 Uhr veranstaltet der Förderverein Hofgut Guntershausen e. V. im Seminarraum des Verwalterhauses auf dem Hofgut Guntershausen (Kühkopf) einen Stockstädter Filmnachmittag, bei dem alte Filme zur Stockstädter Ortsgeschichte präsentiert werden.

Gezeigt werden Filme aus dem Archiv der früheren Stockstädter Firma J. F. Nold & Co.: Betriebsausflug 1952 und Weihnachtsfeier 1988, sowie der Film „Variationen in Lochblech“, der 1993 gedreht wurde und einen Überblick über die interessante Fabrikation des Unternehmens gibt.

Außerdem werden die Filme „Die Insel im Rhein“ und „Stockstadt die Stadt am Rhein“ vorgeführt, die Anfang der 80er-Jahre im Auftrag der Gemeinde Stockstadt am Rhein von Herrn Ludwig Schneider gedreht wurden.

Herr Hans Kanow hat die alten Filme digitalisiert und dankenswerterweise der Arbeitsgruppe Stockstädter Heimatgeschichte des Fördervereins zur Verfügung gestellt. Die Gesamtvorführdauer beträgt ca. 90 Minuten.

Nach der Filmvorführung wird für die Gäste Kaffee und Kuchen im historischen Pferdestall des Hofgutes bereitgestellt. Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist frei, es sind aber Spenden zum Erhalt des Hofgutes Guntershausen erbeten.

Zurück zu Aktuelles